GREY BRIEFING #07: Chancen für Zinssenkung hoch wegen schwächerem Arbeitsmarkt
Willkommen zurück, liebe Leserinnen und Leser, zum siebten GREY BRIEFING!
In dieser Woche ist vor allem der Donnerstag im Fokus gewesen an welchem die CPI (Inflations-Daten) veröffentlicht worden sind. Warum war dies so wichtig? → Abhängig davon wie diese ausfallen, könnte dies die Zins-Entscheidungen der FED am 17. September beeinflussen. Genauer werden wir beim CME FED-Watch Bereich noch darauf eingehen.
Neben den wirklich wichtigen Inflations-Daten und der (unveränderten) Zins-Ankündigung der EZB haben auch Arbeitsmarktdaten für Volatilität gesorgt. Die Anzahl der Arbeitslosanträgen sind höher ausgefallen als erwartet (Ausblick waren ca. 235k, die tatsächliche Anzahl stieg aber auf 263k). Dies ist ein schwaches Zeichen für die Amerikanische Wirtschaft und könnte ein Indiz sein für eine sich weiter abkühlende Wirtschaft.
Wochenperformance
In der vergangenen Woche gab es an den US Märkten eine gemischte Performance. Während der Nasdaq um 1,23% zulegen konnte, haben auch der Dow Jones um 1,14% und der S&P 500 um 1,39% nachgezogen, während der Russell 2000 nur um ca. 0,5% gestiegen ist.
Vor allem konnten Titel wie Nvidia, Google, Oracle, Palantir und Tesla die Anstiege auslösen, während Apple, Microsoft, Meta und Broadcom beispielsweise eher neutral bis schwächer tendierten.

CME FED-WATCH
Wie schon erwähnt sind während der vergangenen Handelswoche wichtige Daten veröffentlicht worden welche Einfluss auf den Zinsentscheid haben können.
Core CPI: Hier ist die Erwartung mit 0,3% getroffen worden und ist somit erstmal nicht als relevanter Einfluss zu betrachten.
CPI (MoM): Hier weichen die tatsächlichen Zahlen von den erwarteten ab. Anstatt 0,3% lagen diese bei 0,4% und fallen somit höher aus als angenommen. Wichtig dabei zu beachten, dies sind die MoM Daten. Im Jahresvergleich bleiben die CPI-Daten unverändert und somit im Erwarteten Bereich.
Initial Jobless Claims: Auch hier sind die tatsächlichen Daten (263k) höher als angenommen (235k) und signalisieren somit einen abkühlenden Arbeitsmarkt.
Wenn euch die Daten so erstmal wenig sagen, schaut gerne in unserem Glossar nach um euch zu vergewissern!
An den Wahrscheinlichkeiten hat sich nicht sonderlich viel getan. Das es zu einer Zinssenkung kommt ist weiterhin sehr wahrscheinlich auch wenn diese, ziemlich sicher, im Ramen von 25 Basispunkten bleiben werden.

SAISONALITÄT
Auch in der vergangenen Woche kam es nicht wirklich zu einer Schwäche in den US-Indizes. Somit befinden wir uns nach wie vor weit über den Jahresdurchschnitten. Fällt eine Korrektur dadurch in diesem Herbst aus?
→ Nein, natürlich nicht. Diese kann sich bis in den Oktober hinein hinziehen. Vor allem wenn beim kommenden FOMC neue Impulse durch Zinssenkungen umgesetzt und weitere in den folgenden Sitzungen signalisiert werden, kann der Markt noch weiter steigen, bevor eine Saisonale Korrektur einsetzt. Wir erwarten daher wenig Bewegung bis zum Mittwoch (17.09) um danach für die kommenden Wochen eine klare Trendrichtung zu sehen.

“IN GOLD WE TRUST”
Der aktuelle UBS-Bericht zeigt, dass Gold seit Jahresbeginn um rund 38 Prozent gestiegen ist und zuletzt nur knapp unter seinem Rekordhoch von 3.674 US-Dollar pro Unze gehandelt wurde. Treiber dieser Entwicklung sind zum einen die Erwartung, dass die US-Notenbank angesichts schwacher Arbeitsmarktdaten ihren Zinssenkungszyklus bald wieder aufnimmt, zum anderen die anhaltende geopolitische Unsicherheit. Beides sorgt für zusätzliche Nachfrage nach dem Edelmetall.
Die UBS hat daher die Prognosen nach oben angepasst und erwartet nun bis Ende 2025 einen Goldpreis von 3.800 US-Dollar pro Unze sowie bis Mitte 2026 einen Anstieg auf 3.900 US-Dollar. Gleichzeitig rechnet man mit kräftigen ETF-Zuflüssen, die sich bis 2025 auf knapp 700 Tonnen summieren könnten. Damit würden die Bestände auf ein Niveau von über 3.900 Tonnen ansteigen, nahe dem bisherigen Rekordwert von 3.915 Tonnen aus dem Jahr 2020. Auch die Käufe der Zentralbanken bleiben mit geschätzten 900 bis 950 Tonnen jährlich stabil hoch.
Die Analyse unterstreicht, dass Gold nicht nur als Diversifikationsbaustein, sondern auch als Absicherung gegen Inflations- und Währungsschwankungen eine zentrale Rolle im Portfolio spielt. Die UBS empfiehlt, ein mittleres einstelligen Prozentanteil des Portfolios in Gold zu halten, da die negative Korrelation zum US-Dollar und die Aussicht auf fallende Realzinsen die Attraktivität des Edelmetalls stützen.

COT-DATEN
Die korrekten COT-Daten zeichnen ein etwas anderes Bild. Die Commercials halten derzeit eine Netto-Long-Position von rund 88.900 Kontrakten. Damit sind sie zwar auf der bullischen Seite, aber längst nicht so stark positioniert wie in vorherigen Extremsituationen. Dem gegenüber stehen die Large Speculators, die mit etwa 161.000 Netto-Short-Kontrakten klar auf fallende Kurse setzen und damit die LONG-Seite Hedgen. Die Small Traders mit rund 72.000 Netto-Long-Positionen bleiben ebenfalls weiterhin bullish positioniert.
Die Marktaufteilung zeigt somit eine interessante Dynamik: Die großen Akteure setzen weiterhin auf eine kommende Korrektur und damit auf sinkende Preise, während sowohl Commercials als auch Kleinanleger auf der Gegenseite stehen und von der laufenden Rally profitieren. Während die Positionierung der Commercials häufig als „Smart Money“ gilt, sind die Small Traders traditionell weniger treffsicher und häufig konträr zu den späteren Marktbewegungen positioniert.
Spannend ist hier also, dass beide Gruppen aktuell auf derselben Seite stehen – der Hintergrund der Commercials ist dabei ein anderer: Sie können nicht wie die Retailer in wenigen Minuten Ihren Asset-Positionierung schnell auflösen und benötigen Tage bis Wochen um zB. Aktienpositionen aufzulösen. Daher stehen Sie bei fortgeschrittenen Rallys gerne via Kontrakten im Markt, da Sie diese relativ flexibel wieder auflösen können.

Kapitalflüsse
Die aktuellen Kapitalflüsse zeigen ein klares Bild der Anlegerstimmung. Besonders stark sind die Zuflüsse in Rohstoffe, die mit einem Anstieg von über einem Prozent des verwalteten Vermögens deutlich herausstechen. Auch Finanzwerte und Telekommunikation profitieren spürbar von neuem Kapital, was auf eine gewisse Risikobereitschaft im Markt hindeutet. Der Gesundheitssektor sowie weitere defensive Bereiche wie Versorger verzeichnen ebenfalls leichte Zuflüsse, bleiben aber im Vergleich klar im Hintergrund. Abflüsse gibt es hingegen bei Energie und Immobilien, die derzeit weniger gefragt sind. Insgesamt lässt sich festhalten, dass Investoren verstärkt auf Rohstoffe und ausgewählte zyklische Sektoren setzen, während defensive Werte eher als Beimischung dienen und schwächere Sektoren Kapital verlieren.
Bei den regionalen Kapitalströmen in US-Aktien zeigt sich ein gemischtes Bild. Anleger aus der Eurozone haben in den vergangenen Monaten spürbare Abflüsse verzeichnet, erholen sich zuletzt aber wieder leicht. Aus dem Rest der Welt außerhalb der USA kamen die Zuflüsse insgesamt stabiler, wenn auch mit deutlichen Schwankungen. Besonders interessant ist der kumulierte Vergleich seit April. Hier zeigt sich, dass die USA durchgehend und stetig Kapital anziehen und mittlerweile einen Zuwachs von rund dreißig Milliarden Dollar verbuchen. Die Eurozone kommt zwar ebenfalls auf ein positives Ergebnis, bewegt sich aber deutlich volatiler und liegt mit etwa zwanzig bis fünfundzwanzig Milliarden Dollar klar hinter den USA.
Insgesamt bestätigt sich damit das Bild, dass die Vereinigten Staaten für Investoren weiterhin als stabiler Anker gelten, während Europa stärker strategisch gehandelt wird. Anleger positionieren sich gezielt in Rohstoffen und zyklischen Branchen und bevorzugen gleichzeitig den US-Markt, der verlässlicher Kapital anzieht als die träge Eurozone.

VIX-VOLATILITÄT
Der VIX notiert aktuell bei 14,76 Punkten und verzeichnet damit einen Rückgang von rund -4 % gegenüber der Vorwoche. Auffällig war im Wochenverlauf ein kurzer Anstieg bis auf über 15,4 Punkte am 11. September, ausgelöst durch eine Phase erhöhter Risikoaversion am Markt.
Damit bewegt sich der VIX weiterhin nahe an seinen Jahrestiefs und liegt klar unter dem langfristigen Durchschnitt. Dieses historisch niedrige Niveau signalisiert zum einen Ruhe und Vertrauen im Markt, erhöht aber gleichzeitig die Anfälligkeit für abrupte Ausschläge, sobald ein neuer Belastungsfaktor aufkommt. Gerade mit Blick auf die saisonal schwächeren Handelswochen im September bleibt die Lage fragil. Ein zu tiefer VIX kann schnell wieder nach oben ausbrechen, sobald ein unerwarteter Impuls, zum Bsp. durch den Arbeitsmarkt, Inflationsdaten oder einen Zinsentscheid, den Markt trifft.

FEAR & GREED INDEX
Der Fear & Greed Index steht aktuell bei 54 Punkten und hat sich damit gegenüber der Vorwoche quasi nicht bewegt. Wir bleiben somit weiterhin im “NEUTRALEN” Bereich, also relativ “Emotionslos” könnte man sagen.
Wie letzte Woche bereits geschrieben, läuft die aktuelle Rallye zwar weiter, allerdings weitaus weniger euphorisch. Es wirkt fasst so, als würden sich die Marktteilnehmer auf eine starke Bewegung vorbereiten.

MACRO-DATEN und EVENTS
Die wichtigsten US-Daten kommende Woche:
Montag, 15. September
🕕 All Day – Bank Holiday in Japan
Dienstag, 16. September
🕕 14:30 Uhr – Core Retail Sales (MoM)
→ Wichtiger Indikator für den US-Konsum ohne volatile Auto-Verkäufe. Überraschungen können starke Auswirkungen auf den USD und Anleiherenditen haben.
🕗 14:30 Uhr – Retail Sales
→ Gesamtumsätze des Einzelhandels geben Hinweise auf die Stärke des Konsums. Ein zentraler Treiber für Wachstum und Inflationserwartungen.
Mittwoch, 17. September
🕓 08:00 Uhr – CPI (GBP)
→ Messung der Teuerungsrate auf Verbraucherebene in Großbritannien. Abweichungen beeinflussen direkt die Zinserwartungen der Bank of England.
🕓 08:00 Uhr – CPI (EUR)
→Inflationsdaten für die Eurozone, entscheidend für die EZB-Politik. Stärkere Werte stützen den Euro, schwächere belasten ihn.
🕓 15:45 Uhr – BoC Interest Rate Decision (CAD)
→ Zinsentscheid der Bank of Canada, ein Schlüsselmoment für CAD-Trader. Jede Abweichung von den Erwartungen löst hohe Volatilität aus.
🕓 16:30 Uhr – Crude Oil Inventories
→ Wöchentliche Bestandsdaten zeigen Angebot und Nachfrage am Ölmarkt. Große Abweichungen beeinflussen direkt den Ölpreis.
🕓 20:00 Uhr – FOMC
→ Zinsentscheid der US-Notenbank, der wichtigste Termin für die Finanzmärkte. Beeinflusst Aktien, Anleihen, USD und Rohstoffe zugleich.
🕓 20:30 Uhr – FOMC Press Conference
→ Erläuterungen des Fed-Vorsitzenden geben Einblick in die künftige Geldpolitik. Oft entstehen hier die größten Marktbewegungen.
Donnerstag, 18. September
🕓 13:00 Uhr – BoE Interest Rate Decision (GBP)
→ Entscheidung der Bank of England über den Leitzins. Besonders relevant für GBP und britische Staatsanleihen.
🕓 14:30 Uhr – Initial Jobless Claims
→ Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe zeigen die kurzfristige Entwicklung des US-Arbeitsmarkts. Überraschungen wirken sich direkt auf USD und Zinsfantasien aus.
🕓 14:30 Uhr – Philadelphia Fed Manufacturing Index
→ Regionale Umfrage zur Industriekonjunktur in den USA. Wird als Frühindikator für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung gesehen.
Freitag, 19. September
🕓 05:00 Uhr – BoJ Interest Rate Decision
→ Entscheidung der Bank of Japan über die Geldpolitik. Besonders sensibel für Yen-Paare und Anleihenmärkte.
FED-SPEAKER & EVENTS
In Grunde sind folgende 2 Termine die wichtigsten und sollten unbedingt beachtet werden.
📅 Mittwoch, 17. September
⏱️ 20:00 Uhr – FOMC Meeting
→ Zinsentscheid der US-Notenbank, der wichtigste Termin für die Finanzmärkte. Beeinflusst Aktien, Anleihen, USD und Rohstoffe zugleich.
📅 Mittwoch, 17. September
⏱️ 20:30 Uhr – FOMC Press Conference
→ Erläuterungen des Fed-Vorsitzenden geben Einblick in die künftige Geldpolitik. Oft entstehen hier die größten Marktbewegungen.

EARNING SEASON
Abgesehen von FedEx sind die berichtenden Unternehmen in der kommenden Woche nicht sonderlich Markt relevant. Interessant wird das Konsumenten Verhalten, was sich durch die FedEx Zahlen am Donnerstag deuten lässt.

Damit sind wir auch diese Woche wieder am Ende des GC-Briefings angekommen. Main-Events in der kommenden Woche wird das FOMC-meeting zum Zinsentscheid der US-Notenbank sowie die Entscheidung der Bank-of-Japan. Vor allem an die Index, Commodity- und Forex-Trader unter uns: verwaltet eure Positionen so, um auf sämtliche Szenarien gut vorbereitet zu sein!
Wir haben uns hiermit die wichtigsten MACRO-Daten, die aktuelle Sentimentlage, COT-Seite sowie saisonalen Muster angesehen um die besten Informationen zusammen zufassen, um gut vorbereitet in die nächste Woche zu starten.
Die Märkte bleiben anfällig für schnelle Richtungswechsel, gerade wenn externe Impulse auf ein überdehntes Sentiment treffen. Umso wichtiger ist es, dass wir flexibel bleiben, um die Datenlage genau im Blick zu behalten.
Wir sehen uns nächste Woche wieder im GREY BRIEFING.
Bis dahin – bleibt diszipliniert und bleibt profitabel!
Eure GREY CAPITAL-Redaktion
