Newsletter #28: Zölle, Trump & der Start der Berichtssaison

Willkommen zur achtundzwanzigsten Ausgabe unseres Newsletters, liebe Leserinnen und Leser!

In Kalenderwoche 28 standen die US-Märkte ganz im Zeichen zunehmender Handelsspannungen: Donald Trump kündigte neue Zölle von 30 % auf Importe aus der EU und Mexiko sowie 50 % auf brasilianische Produkte an – die ab dem 1. August in Kraft treten sollen. Diese Maßnahmen sorgen international für Unruhe, während mögliche Gegenreaktionen und rechtliche Schritte bereits anlaufen. Parallel dazu nimmt der politische Druck auf die Fed zu: Trump attackiert erneut Jerome Powell und will den Einfluss auf die Zentralbankpolitik ausweiten. Makroseitig steigt das Rezessionsrisiko laut Umfragen deutlich an, da die Zölle als inflationstreibend und wachstumshemmend gelten.

Wie stabil ist die Lage an den Märkten wirklich? Und was erwartet uns in der neuen Woche?

Steigen wir ein.

Wochenperformance

Die vergangene Woche ist, wenn wir das Opening und Closing betrachten, sehr schwach verlaufen und hat ohne einen nennenswerten Unterschied geschlossen. Zwar hatten wir im verlauf der Woche einige Events die den Markt kurzfristig beeinflusst haben, allerdings wurden diese Bewegungen durch darauffolgende News wieder “zunichte” gemacht. Wie ihr seht, sind die Nebenwerte (Russell 2000) und der Dow Jones die einzigen Indizis, die etwas mehr Volatilität aufweisen. Am Ende der Woche ist der Dow der einzige Index welcher spürbarer geschlossen hat. Der Markt ist durch die aufkommenden Unsicherheiten wieder etwas vorsichtiger geworden.

5-Tages-Performance US-Indizes

CME FED-WATCH

An den Wahrscheinlichkeiten einer Zinsänderung hat sich im Vergleich zu letzten Woche quasi nichts getan.

Trump übt schon seit Längerem Druck aus, dass der aktuelle FED Chair Jerome Powell zurücktritt, um seine “Wunsch-Zinspolitik” durchzusetzen. Aus einem Schreiben vom Chairman des US Federal Housing Finance Agency geht hervor, dass Powell über einen Rücktritt nachdenkt. Dies ist bislang nicht durch ihn selber bestätigt oder offiziell angekündigt worden. Dennoch dürfte dieses Thema in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen. Die Märkte könnten bei einem plötzlichen Wechsel an der Spitze der FED beunruhigt werden und entsprechend erratische Bewegungen nach sich ziehen.

FedWatch-Tool

SAISONALITÄT

Der Juli zählt historisch zu den stärkeren Monaten im S&P 500. Inzwischen ist der Monat fast zur Hälfte vorbei – mit einer bislang eher verhaltenen Performance von rund +1 %. Zwar ist die durchschnittliche Juli-Rendite meist positiv, liegt jedoch lediglich bei etwa 1 bis 1,5 %. Demnach gehen wir nicht mit sehr hohen Erwartungen in die zweite Monatshälfte, sondern bleiben geduldig und lassen sich den Markt entwickeln.

Ein Blick auf die Saisonalitäten zeigt: Die kommenden Monate könnten zäh werden – Stichwort Sommerpause. In dieser Phase ist der Markt erfahrungsgemäß weniger volatil und tendiert zur Seitwärtsbewegung.

Wichtig bleibt: Die Saisonalität dient uns nicht als Einstiegskriterium, sondern als ergänzender Filter und unterstützender Faktor in der Gesamtbewertung der Finanzmärkte.


The Equity-Only Put-Call Ratio

Die Grafik zeigt das Verhältnis von Put- zu Call-Optionen (Equity-Only Put-Call Ratio) im Vergleich zur Entwicklung des S&P 500 Index über einen Zeitraum von etwa einem Jahr. Dabei ist auffällig, dass das Put-Call-Verhältnis insbesondere im Frühjahr deutlich angestiegen ist, was darauf hindeutet, dass die Marktteilnehmer in dieser Phase stark absicherungsorientiert waren und verstärkt auf fallende Kurse setzten.

Gleichzeitig kam es beim S&P 500 zu einem markanten Rückgang, was die pessimistische Stimmung an den Märkten widerspiegelt. Im weiteren Verlauf normalisierte sich das Put-Call Ratio jedoch wieder und fiel deutlich ab.

Diese Entwicklung unterstreicht die Funktion des Put-Call Ratios als kontraindikatorischer Stimmungsindikator: Extrem hohe Werte deuten auf übermäßige Angst hin und können Wendepunkte im Marktverlauf signalisieren.


Aktienquote von CTAs (Trendfolgern)

Der Chart zeigt die Aktienquote von Commodity Trading Advisors (CTAs), also systematisch agierenden Trendfolgern, seit 2012. Mit einer aktuellen Allokation von rund 70 % liegt die Quote auf einem historisch sehr hohen Niveau – konkret im 89. Perzentil. Das bedeutet: In nur 11 % der Fälle waren CTAs stärker in Aktien investiert.

Diese hohe Quote signalisiert starkes Momentum und eine allgemein bullishe Marktstimmung. Gleichzeitig lässt sich daraus ableiten, dass das zusätzliche Kaufpotenzial der CTAs inzwischen begrenzt ist. Rückblickend kam es auf ähnlich hohen Niveaus häufiger zu Korrekturen – ein weiterer Hinweis darauf, dass derzeit etwas mehr Vorsicht angebracht sein könnte.


COT-DATEN

Die COT-Daten haben sich zur Vorwoche erneut spürbar verändert. Bei den Commercials ist die Netto-Long-Position deutlich angestiegen – von rund 3.000 auf knapp 63.000 Kontrakte. Das bedeutet: Die großen Marktteilnehmer sichern sich aktuell weniger gegen fallende Kurse ab, was grundsätzlich als bullishes Signal gewertet werden kann. Jedoch kaufen Sie damit weniger die Briefseite, dh. keine Assets wie Aktien, und bleiben damit flexibel was Ihre Positionierung betrifft.

Auch bei den Large Speculators gab es eine markante Bewegung: Ihre Netto-Short-Positionen nahmen weiter zu – von etwa -87.000 auf nun rund -140.000 Kontrakte. Dieses Verhalten ist nicht überraschend, da sich Commercials und Spekulanten traditionell entgegengesetzt positionieren.

Die Small Traders (Retail Trader) zeigen sich dagegen unverändert. Ihre Netto-Position liegt weiterhin bei etwa 78.000 Kontrakten.

COT-Daten S&P500 Net positions

MARTAUSBLICK

Näheres zu den COT Daten, FED-Watchtool, Indizes und vielem mehr gerne im mittlerweile 14. MARKTAUSBLICK auf unserem YOUTUBE-Channel entnehmen.


VIX-VOLATILITÄT

In der vergangenen Handelswoche ist der VIX von 17,7 auf 16,4 Punkte gefallen. Ein bullishes Signal, da ein sinkender VIX auf eine Beruhigung der Markterwartungen hindeutet. Auffällig ist jedoch: Der Markt hat darauf kaum reagiert, die Kursgewinne fielen verhalten aus, während die Unsicherheiten im Hintergrund weiter zunehmen. Warum ist ein steigender VIX bearish und ein fallender bullish? Eine kurze Erläuterung zum VIX: Der VIX misst die erwartete Schwankungsbreite des S&P 500 über die kommenden zwölf Monate, also die implizite Volatilität. Ein Wert von 16,4 bedeutet, dass der Markt aktuell eine potenzielle Bewegung von etwa ±16,4 % einpreist – unabhängig von der Richtung. Je höher der VIX, desto größer die erwartete Unsicherheit.

Solange wir unter 20 bleiben, ist die Grundstimmung aber weiterhin eher entspannt.

Vix-Index

FEAR & GREED INDEX

Wie schon in der Vorwoche befinden wir uns weiterhin im Bereich der „Extreme Greed“. Das signalisiert eine potenzielle Überhitzung des Marktes, insbesondere im S&P 500. Der Fear & Greed Index kann als Stimmungsbarometer dienen, besonders wenn es darum geht, Kaufzeitpunkte besser einzuordnen. In Phasen extremer Gier ist der Markt historisch betrachtet selten „günstig“ – insbesondere wenn man breit und unspezifisch ins Portfolio investiert.

Das heißt nicht, dass man jetzt alles verkaufen muss. Aber es ist ein wichtiger Reminder, selektiv zu bleiben und sich nicht leichtsinnig in jede Bewegung hinein zu kaufen. Das Risiko abzuwägen liegt wie immer ganz beim Marktteilnehmer.

Fear & Greed Index

Aktuelle Insider

Die folgende Übersicht zeigt die jüngsten Insider-Aktivitäten – beschränkt auf Käufe und Verkäufe durch Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder.

Auf der Käuferseite stechen insbesondere Asana (ASAN) mit Transaktionen im Volumen von über 6,4 Mio. USD sowie Ctsouth (COSO) mit rund 3,5 Mio. USD hervor. Solche Insider-Käufe gelten in der Regel als Vertrauenssignal und werden oft als bullishes Zeichen gewertet.

Deutlich dominanter fällt derzeit jedoch die Verkäuferseite aus: Bei Oklo trennten sich Insider von Aktien im Wert von über 66 Mio. USD. Es folgen Carvana mit Verkäufen über 47 Mio. USD sowie weitere größere Transaktionen bei Airbnb, DoorDash, Snowflake, Atlassian und Alphabet.

In Summe überwiegt das Verkaufsvolumen aktuell klar die Käufe – ein mögliches Zeichen für Gewinnmitnahmen und eine zunehmende Zurückhaltung auf Managementebene.

Hier noch eine weitere Ergänzung für das gesamte Jahr 2025:

Top-20-Unternehmen nach Insiderkäufen und -verkäufen im Jahr 2025; Quelle: @WallStJesus

MACRO-DATEN und EVENTS

Die wichtigsten US-Daten kommende Woche:

Dienstag, 15.07

  • 🕝 04:00 Uhr – GDP (YoY) China
    →→ Bruttoinlandsprodukt im Jahresvergleich – zeigt das Wirtschaftswachstum Chinas.

  • 🕝 14:30 Uhr – Core CPI (MoM)

  • 🕝 14:30 Uhr – CPI (YoY)

  • 🕝 14:30 Uhr – CPI (MoM)
    →Verbraucherpreisindex, monatlich und jährlich.
    → „Core“ = ohne Energie und Lebensmittel, besserer Indikator für langfristige Inflation.

Mittwoch, 16.07

  • 🕝 08:00 Uhr – CPI (YoY) GBP
    → UK-Inflationsrate im Jahresvergleich.

  • 🕝 14:30 Uhr – PPI (MoM)
    → Erzeugerpreisindex = misst Preisveränderungen auf Produzentenebene (Inflationsvorläufer).

  • 🕝 16:30 Uhr – Crude Oil Inventories
    → Rohöllagerbestände der USA, wichtig für Ölpreis und Energiemärkte.

Donnerstag, 17.07

  • 🕝 11:00 Uhr – CPI (YoY) EUR
    → Inflationsrate der Eurozone.

  • 🕝 14:30 Uhr – Core Retail Sales (MoM)

  • 🕝 14:30 Uhr – Retail Sales (MoM)
    → Einzelhandelsumsätze, wichtiger Konsumindikator (Core = ohne Autos/Treibstoff).

  • 🕝 14:30 Uhr – Initial Jobless Claims
    → Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Frühindikator für den Arbeitsmarkt.

  • 🕝 14:30 Uhr – Philadelphia Fed Manufacturing Index (Juli)
    → Frühindikator zur Industrieaktivität in der US-Region Philadelphia.

Diese Woche bieten lediglich Montag und Freitag etwas Ruhe. An den übrigen Tagen stehen wirtschaftliche Daten an, die den Markt zumindest kurzfristig bewegen könnten.

Hier nochmal eine kurze Einordnung zu aktuellen Events:

  • Am Dienstag kommen die US-Inflationsdaten für Juni.
    Die Erwartungen liegen bei einem leichten Anstieg: Die Gesamtinflation soll von 2,4 auf etwa 2,5 bis 2,6 Prozent steigen, die Kerninflation von 2,8 auf 2,9 Prozent. Das ist nicht nur eine Statistik, sondern relevant für die aktuelle Haltung der US-Notenbank. Jerome Powell rechnet damit, dass sich die jüngsten Zölle im Juni und Juli erstmals in den Preisen niederschlagen. Sollte dieser Effekt ausbleiben und die Zahlen schwächer ausfallen als erwartet, dürfte das die Debatte über eine frühere Zinssenkung erneut anheizen.

  • Beim Thema Zölle geht es ebenfalls voran.
    Die Frist vom 8. und 9. Juli ist abgelaufen und viele Länder haben inzwischen die angekündigten Handelsbriefe erhalten. Auch die EU ist betroffen und soll ab dem 1. August mit einem Zollsatz von 30 Prozent rechnen. Das liegt sogar leicht über dem Wert, der am sogenannten Liberation Day kommuniziert wurde. Aus Marktsicht bleibt die Reaktion bisher verhalten. Das Thema ist weitgehend bekannt und es bleibt noch Zeit für mögliche Verhandlungen.

  • Nächste Woche startet außerdem die Berichtssaison.
    Wie üblich eröffnen die großen US-Banken, darunter auch Wells Fargo. Die Zahlen aus dem Finanzsektor geben oft einen ersten Eindruck davon, wie stark oder schwach die Unternehmen ins zweite Halbjahr gestartet sind – entsprechend wichtig wird der Auftakt für die Marktstimmung sein.


FED-SPEAKER

Hier findet ihr – wie gewohnt – die Übersicht der Fed-Termine für die kommende Woche. Denkt daran: Diese Veröffentlichungen tauchen oft nicht in den klassischen Börsenkalendern auf, können aber dennoch kurzfristige Marktbewegungen auslösen.

FED-Events

EARNING SEASON

Die nächsten Wochen dürften wieder deutlich volatiler werden – hier bekommt ihr einen Überblick über alle anstehenden Earnings in den kommenden 30 Tagen. Auch wenn einige Schwergewichte wie Amazon oder Palantir aktuell noch fehlen, vermittelt die Übersicht bereits einen guten Eindruck zur bevorstehenden Berichtssaison.

In der kommenden Woche rücken vor allem die Banken in den Fokus – unter anderem mit Zahlen von Citi, BlackRock, Goldman Sachs und Morgan Stanley. Darüber hinaus bleiben auch Unternehmen wie ASML, Netflix, PepsiCo und American Express besonders interessant und können Ihre Sektoren mit bewegen.


S&P 500 Performance während der Earnings-Season

Der Chart zeigt die durchschnittliche Performance des S&P 500 während der ersten vier Wochen der jeweiligen Earnings Seasons. Im Durchschnitt legte der Index in diesem Zeitraum um etwa 2 % zu.

Trotz einzelner Ausnahmen – wie dem Volatilitäts-Schock Anfang 2018, dem Handelskrieg im vierten Quartal 2018 oder der Ukraine-Invasion – wirkt die Berichtssaison historisch betrachtet oft als positiver Katalysator für den Markt.

Besonders auffällig ist das erste Quartal 2025, das mit einem Anstieg von rund 8 % deutlich über dem historischen Median liegt – ein klares Zeichen für das Vertrauen der Anleger in die Unternehmensgewinne.

Insgesamt zeigt der Chart: Abgesehen von externen Schocks wirkt sich die Earnings Season in der Regel positiv auf die Kursentwicklung aus.


Damit sind wir für diese Woche durch. Die Märkte zeigen sich robust, trotz hoher Bewertungen und spürbarer Zurückhaltung bei Insidern. Der Fear & Greed Index kratzt an der Euphorie, während gleichzeitig auffällig viele Insider bei Big Tech Kasse machen. Das sind weiterhin Signale, die man nicht ignorieren sollte.

Was viele übersehen: In solchen Phasen lohnt es sich auch mal weniger aktiv zu sein. Beobachten, absichern, strategisch bleiben. Nicht jeder Ausbruch ist nachhaltig, nicht jede Korrektur eine Krise.

Wir wünschen euch allen eine erfolgreiche Handelswoche und sehen uns nächsten Sonntag wieder,

Eure GREY CAPITAL-Redaktion