GREY BRIEFING #01: Zinssenkungshoffnung vs. schwache Daten

Willkommen zurück liebe Leserinnen und Leser!

…zum ersten GREY BRIEFING! Aus dem bisherigen NEWSLETTER+ wird das neue BRIEFING – Exclusiv für alle Premium member.

Warum die Veränderung? Das bisherige Newsletter-Format wurde über die letzten Monate stetig erweitert und hat sich von einem kurzen Wochenupdate auf Telegram hin zum vielseitigen Makroökonomischen-Briefing entwickelt. Mit dem neuen framing können wir nun auch in Zukunft weiter in die Tiefe und Breite gehen um euch bestmöglich mit Informationen rund ums Trading & Investing zu versorgen.

Nun legen wir aber los…

Diese Woche zum Ende des Julis kam es nun zum ersten “Drop” in den Märkten. Wird sich dieser weiter fortsetzen oder bleibt es wie seit Wochen eine neue “Buy-the-Dip” Chance? Die Woche hatte es mit 4 BIG TECH Earnings, dem FOMC-Zinsentscheid und neuen Arbeitsmarktdaten wieder in sich… inklusive einem neuen Schlagabtausch zwischen Jerome Powell und Präsident Trump. Wir schauen zunächst auf die…

Wochenperformance

Diese Woche sah ganz anders aus als in den Vorwochen: Statt neuer Allzeithochs gab es einen deutlichen Rücksetzer über alle Indizes hinweg. Die Nasdaq schloss mit einem Minus von 2,67 %, der S&P 500 verlor 2,49 % und der Dow Jones sogar 2,78 %. Besonders heftig traf es den Russell 2000, der über 4 % abgab. Ein klares Signal, dass vor allem kleinere Werte massiv unter Druck standen.

Tech konnte sich diesmal nicht abkoppeln und zog gemeinsam mit dem breiten Markt nach unten. Anleger scheinen nach der langen Rally vermehrt Gewinne mitzunehmen und sich defensiver aufzustellen. Ein Zeichen dafür, dass wir in die angekündigte Sommerpause ziehen.

5-Tages-Performance US-Indizes

CME FED-WATCH

Die Fed hat wie erwartet die Zinsen unverändert gelassen. Der Leitzins bleibt bei 4,25–4,50 %. Für das nächste Meeting im September sehen die Märkte jetzt aber eine 80 % Wahrscheinlichkeit für eine erste Senkung auf 4,00–4,25 %. Das ist eine klare Verschiebung der Erwartungen. Der Markt rechnet also zunehmend mit mehr Lockerung.

Donald Trump hat nach der Entscheidung wieder scharf geschossen: Powell würde „den US-Bürgern dringend benötigte Entlastung verweigern“, dem Staat Milliarden an Geld kosten und die Wirtschaft mit „unnötig hohen Zinsen abwürgen“. Das zeigt, wie politisch aufgeladen das Thema weiterhin ist. Powell selbst blieb wie gewohnt ruhig und betonte, man werde sich weiterhin von den Wirtschaftsdaten und nicht von politischem Druck leiten lassen.

Kurzfristig bleibt alles wie gehabt, mittelfristig steigen die Chancen für einen ersten Cut, aber der Weg dahin bleibt politisch laut und wie wir diese Woche merken auch markttechnisch volatil.

FedWatch-Tool

HANDELSRISIKEN UND TRUMP-ZÖLLE

Letzte Woche hat Donald Trump mit neuen Zöllen wieder einmal für Aufsehen gesorgt. Mit einem Executive Order werden ab sofort für mehr als 60 Länder deutlich höhere Importzölle fällig. Die durchschnittlichen US-Zölle liegen damit jetzt so hoch wie seit den 1930ern nicht mehr.

Die Märkte haben reagierten darauf sofort und brachten so vermutlich wieder einen Stein ins Rollen. S&P 500, Nasdaq und der Dow rutschten deutlich ab, Anleger preisen nun noch stärker ein, dass die Fed laut Trump bald reagieren und die Zinsen senken muss. Die Höhere Zölle wirken wie eine zusätzliche Steuer für Verbraucher und Unternehmen, das drückt somit auf Kaufkraft und Margen.

Die Handelspolitik sorgt wieder für Nervosität. Für uns als Anleger heißt das, nicht nur auf die üblichen Konjunkturdaten und Earnings zu schauen, sondern auch solche politischen Risiken ernst zu nehmen, weil sie direkt auf Kostenstrukturen und Gewinne durchschlagen können.


SAISONALITÄT

Die Saisonalität signalisiert gerade eine Art „Zwischenphase“. Historisch gesehen ist die erste Augusthälfte eher schwach, bevor es ab Mitte/Ende August oft wieder freundlicher wird. Aktuell liegen wir mit der Year-to-Date-Performance (rote Linie) trotzdem deutlich über den üblichen Durchschnittsverläufen der letzten 5, 10 und 15 Jahre.

Das bedeutet: Trotz der jüngsten Rücksetzer hat der Markt seit Jahresbeginn stark performt. Jetzt kommt die Phase, in der statistisch gesehen oft etwas Ruhe einkehrt, auch als Sommerloch bekannt, bevor ab Herbst wieder Aufwärtsdynamik entstehen kann.

Wir nutzen die Saisonalität nicht als alleinigen Einstiegstrigger, sondern als zusätzlichen Kontext, um unsere Setups einzuordnen. Gerade in dieser Zeit sind Geduld und selektives Vorgehen entscheidend. Gerade bei extremer Volatilität, wie in diesem Jahr sieht man, wie wichtig die richtigen Setups und das Risikomanagement sind.

S&P 500 Seasonality Chart

COT-DATEN

Diese Woche sehen wir eine leichte Verschiebung: Die Commercials sind weiterhin stärker auf der Long-Seite unterwegs (+81.752 Kontrakte), während die Large Speculators ihre Short-Positionen ausgebaut haben (-163.181 Kontrakte). Die Small Trader bleiben mit +81.429 Kontrakten im positiven Bereich, allerdings eher stabil ohne große Veränderungen.

Das Bild passt weiterhin zu einem Markt, der sich eher absichert als aggressiv neue Risiken eingeht. Die Commercials bleiben vorsichtig optimistisch, was meist ein solides Signal ist. Sie sind selten die, die „dem Markt hinterherrennen“.

Wichtig ist jedoch wie immer: Diese Daten sind um mehrere Tage verzögert und geben daher eher eine Momentaufnahme der Stimmung wider als ein Echtzeit-Signal. Für uns bedeutet das, dass wir weiter beobachten, ob die Commercials ihre Longs halten oder schnell drehen, das wäre das deutlichere Warnsignal. Das ganze werden wir wahrscheinlich in der nächsten Woche beobachten dürfen.

COT-Daten S&P500 Net positions

MARTAUSBLICK

Näheres zu den COT Daten, FED-Watchtool, Indizes und vielem mehr gerne im mittlerweile 14. MARKTAUSBLICK auf unserem YOUTUBE-Channel entnehmen.


VIX-VOLATILITÄT

Der VIX ist in dieser Woche deutlich nach oben geschossen. Von rund 15 auf über 20 Punkte, ein Plus von mehr als 30 %. Das ist ein klarer Hinweis darauf, dass die Marktteilnehmer kurzfristig deutlich mehr Risiko sehen. Solche Sprünge beim VIX passieren meist, wenn Unsicherheit oder Angst in den Markt kommt, sei es durch überraschende Makrodaten, geopolitische Spannungen oder schlicht Gewinnmitnahmen nach den starken Wochen zuvor.

Ein sprunghafter Anstieg des VIX ist nicht automatisch ein langfristiges Verkaufssignal, kann aber kurzfristig Druck auf die Kurse ausüben. Genau in solchen Phasen trennt sich oft kurzfristiges “Hot Money” von langfristigen Investoren.

Für uns heißt das: Die Volatilität ist zurück. Wer aktiv tradet, sollte seine Stops im Blick behalten und das Risiko bewusst steuern.

Vix-Index

FEAR & GREED INDEX

Der Fear & Greed Index ist von zuletzt 62 Punkten (Greed) auf jetzt 50 Punkte gefallen und liegt damit genau im neutralen Bereich. Vor einer Woche standen wir noch bei 73 Punkten, also klar im „Greed“-Modus.

Das zeigt, wie schnell sich die Marktstimmung ändern kann, gerade nach den jüngsten Kursrückgängen und dem Anstieg des VIX. Die Anleger sind vorsichtiger geworden, von Euphorie ist erstmal nichts mehr zu sehen- Neutral heißt aber auch: Es gibt aktuell weder extremen Pessimismus noch eine überhitzte Stimmung. Für Trader kann das ein Zeichen sein, dass die Märkte sich erst einmal neu sortieren, bevor sich ein klarer Trend abzeichnet.

Fear & Greed Index

AKTUELLE INSIDER

Kommen wir wieder zu den Insidern…

Auf der Kaufseite sind keine marktdominierenden Tech-Giganten vertreten. Die größeren Käufe betreffen eher spezialisierte oder kleinere Unternehmen. Das Kaufinteresse konzentriert sich also eher auf Nischenunternehmen und einige Finanzwerte.

Bei den Verkäufen fällt hingegen auf, dass mehrere marktbewegende Namen betroffen sind:

  • Nvidia (NVDA): ~39 Mio. USD

  • Robinhood Markets (HOOD): ~43 Mio. USD

  • Carvana (CVNA): ~33 Mio. USD

  • Celsius Holdings (CELH): ~28 Mio. USD

  • Super Micro Computer (SMCI): ~24 Mio. USD

Das sind allesamt Wachstums- bzw. KI-nahe Werte, deren Kursentwicklungen in den letzten Monaten besonders stark waren.

Seit Jahresanfang zeigt sich also eine klare Tendenz:

  • Carvana (CVNA): ~460 Mio. USD Insiderverkäufe

  • Airbnb (ABNB): ~459 Mio. USD

  • Datadog (DDOG): ~249 Mio. USD

  • Atlassian (TEAM): ~191 Mio. USD

  • Doordash (DASH): ~173 Mio. USD

  • Samsara (IOT): ~148 Mio. USD

  • Crowdstrike (CRWD): ~150 Mio. USD

  • Cloudflare (NET): ~264 Mio. USD

  • Palantir (PLTR): ~182 Mio. USD

Übergeordnet wieder die Bestätigung: auf der Kaufseite tauchen eher kleinere, weniger marktbewegende Unternehmen auf. Währenddessen sehen wir auf der Verkaufsseite eine Ballung von Tech- und Growth-Werten, die seit Monaten Kursgewinne verzeichnet haben.

Übersicht aktueller Insider-Käufe und -Verkäufe; Quelle: @WallStJesus
Top-20-Unternehmen nach Insiderkäufen und -verkäufen im Jahr 2025; Quelle: @WallStJesus

Das Insider-Transaktionsverhältnis liegt aktuell bei 10, also deutlich im bullischen Bereich. Normalerweise bedeutet es, dass die Insider Verkäufe im Verhältnis zu den Käufern weniger werden und eher von weiter steigenden Kursen überzeugt sind.

Das Problem ist jedoch, dass genau dieser Optimismus jetzt verschwindet. Die letzten Wochen waren geprägt von einer Rally, die viele wohl als Selbstläufer gesehen haben. Es gab weniger Verkäufe, weil die Mehrheit der Marktteilnehmer mit weiter steigenden Kursen rechnete. Doch die aktuelle Marktbewegung in dieser Woche war ein erster Realitätscheck: Nicht jeder Anstieg trägt ewig und Rallys ohne Zwischenkorrekturen sind nicht nachhaltig.

Das macht das aktuelle Signal tricky. Einerseits ist ein niedrigeres Ratio grundsätzlich positiv, andererseits zeigt der Markt gerade, dass zu viel Optimismus auch bestraft werden kann. Für uns heißt das jedoch: weiter beobachten, nicht blind hinterherlaufen.


MACRO-DATEN und EVENTS

Die wichtigsten US-Daten kommende Woche:
Montag, 04. August 2025

🕝 16:00 Uhr – Factory Orders MoM
→ Zeigt, wie sich die Bestellungen langlebiger Güter entwickelt haben. Ein Frühindikator für die industrielle Aktivität.

🕝 22:30 Uhr – 3-Month & 6-Month Bill Auction
→ Versteigerung von Staatsanleihen mit kurzen Laufzeiten, wichtig für kurzfristige Zinsentwicklungen.

Dienstag, 05. August 2025

🕝 16:00 Uhr – ISM Services PMI
→ Misst die wirtschaftliche Aktivität im Dienstleistungssektor. Werte über 50 deuten auf Wachstum hin.

🕝 16:10 Uhr – RCM/TIPP Economic Optimism Index
→ Gibt Einblick in das Verbrauchervertrauen und die Erwartungen an die Wirtschaft.

🕝 22:30 Uhr – API Crude Oil Stock Change
→ Frühindikator für den wöchentlichen Ölmarktbericht, oft mit Einfluss auf Energiepreise und Ölaktien.

Mittwoch, 06. August 2025

🕝 19:30 Uhr – EIA Crude Oil Stocks Change
→ Offizieller Ölbestandsbericht, wichtig für Rohölpreise.

🕝 20:00 Uhr – Fed Cook Speech
→ Rede eines Fed-Mitglieds, kann Hinweise zur Geldpolitik enthalten.

Donnerstag, 07. August 2025

🕝 14:30 Uhr – Initial Jobless Claims
→ Wichtiger Frühindikator für den Arbeitsmarkt, misst neue Anträge auf Arbeitslosenunterstützung.

🕝 17:00 Uhr – Consumer Inflation Expectations
→ Gibt Ausblick, wie Konsumenten die Preisentwicklung einschätzen.

🕝 21:00 Uhr – Consumer Credit Change
→ Zeigt die Entwicklung der Konsumentenkredite, relevant für die Einschätzung des Konsumverhaltens.


FED-SPEAKER

In der kommenden Woche gibt es einige Auftritte von Fed-Vertretern, die besonders für Marktbeobachter interessant sein könnten.
Am Mittwoch steht eine Diskussion mit Fed-Gouverneurin Lisa D. Cook im Fokus. Solche Auftritte werden von Marktteilnehmern genau verfolgt, da selbst kleine Kommentare zu Inflation, Wachstum oder zukünftigen Zinsschritten deutliche Marktreaktionen auslösen können.

FED-Events

EARNING SEASON

Auf Unternehmensseite stehen diese Woche einige spannende Namen im Rampenlicht. Mit Palantir (Montag), AMD, BP & Pfizer (Dienstag) sowie McDonalds, Novo Nordisk und Uber (Mittwoch) gibt es durchaus Zahlen, die für den breiten Markt relevant sein könnten. Novo Nordisk ist besonders interessant. Die Aktie hat vergangene Woche über 32 % abgegeben. Spannend wird sein, ob die Zahlen diesen Einbruch rechtfertigen oder für eine schnelle Erholung sorgen.

Gleichzeitig bleibt die Makroseite im Blick: Die zuletzt schwächeren US-Arbeitsmarktdaten haben Zinssenkungsfantasien weiter angeheizt. Grundsätzlich positiv für Aktien, könnte das aber auch als Zeichen einer sich abkühlenden US-Wirtschaft interpretiert werden. Etwas, das Konsum und Unternehmensgewinne in den kommenden Quartalen belasten könnte. Die Marktreaktion hängt also stark davon ab, wie die Unternehmensergebnisse im Kontext dieser geldpolitischen Erwartungen bewertet werden.


Damit sind wir für diese Woche durch. Die Märkte haben zuletzt ordentlich Luft abgelassen. Nach Wochen des scheinbar unaufhaltsamen Anstiegs kam jetzt ein deutlicher Dämpfer. VIX über 20, Fear & Greed auf neutral und Insider, die sich zuletzt bullish positionierten, wurden auf dem falschen Fuß erwischt.

Die Volatilität ist kein Grund für Panik, sondern für selektives Handeln. Wer noch mit Leverage im Markt ist, sichert sich seine Gewinne ab und prüft seine Positionierung sehr genau. Wer an der Seitenlinie steht, beobachtet mit viel Cash die laufende Korrektur und wartet auf den richtigen Augenblick um seine Chancen gezielt zu nutzen. Mit einer Woche voller wichtiger Earnings kann sich das Bild schnell wieder drehen.

Haltet eure Strategien klar im Blick. In unruhigen Phasen zahlt sich Ruhe mehr aus als blinder Aktionismus. Das Krokodil, das reglos im Wasser auf seine Beute wartet, beschriebt hier die bildliche am besten die derzeitige Lage im August.

Einen guten Wochenstart und bis nächsten Sonntag,
Eure GREY CAPITAL-Redaktion