Newsletter #3: Sticky Inflation, starke NFPs & steigende Volatilität

Willkommen zurück zur dritten Ausgabe – und das nach einigen MACRO-Events die es in sich hatten!

Die US-Märkte haben eine negative Woche hinter sich und der Grund hierfür ist auch schnell gefunden:

Die FOMC (FED Protokolle) der letzten Notenbanksitzung der USA sowie die NFPs (Non Farm Payrolls) am Freitag sind weitaus höher ausgefallen als erwartet!

Hier die Wochenperformance der US-Indizes bevor wir in die Details gehen.

5-Tages-Performance US-Indizes

NFPs – ARBEITSMARKTDATEN

Wie jeden ersten Freitag im Monat (meistens zumindest, dieses Mal ist es der zweite aufgrund der Feiertage) werden die NON-FARM-PAYROLLS (Arbeitsmarktdaten ohne die Landwirtschaft) veröffentlicht. Manchmal finden diese mehr, manchmal weniger Beachtung. Je nach Kontext des Marktes führen diese eine bereits eingeschlagene Richtung weiter aus oder drehen in die entgegengesetzte.

Da das Narrativ der Wallstreet derzeit lautet:

Starker Arbeitsmarkt +Sticky Inflation
= ZINSPAUSE

Befinden sich die Indizes seit 2 Wochen in einer Korrektur und die NFPs haben diese Richtung am Ende nochmals bestätigt.

Hier die NFP-Daten – gut zu erkennen dass mit über 56.000 neugeschaffenen Stellen diese deutlich über dem Forecast liegen. Auch im Vormonat lagen diese höher als erwartet – wir können gespannt sein wie die nächsten für den Februar ausfallen werden.

US‑Nonfarm Payrolls

FOMC (FED-Protokolle) – ZINSPAUSE?

Das Wording seitens JPOW (Jerome Powell) beim letzten FOMC Meeting vom 18. Dezember ’24 findet sich nun auch in dem Protokoll wieder:

Die Inflation ist „sticky“ und bleibt damit deutlich über dem 2%-Ziel der FED und der Arbeitsmarkt zeigt sich weiterhin robuster als erwartet.

Damit wird eine ZINSPAUSE immer wahrscheinlicher vom Markt eingepreist. Dieses Szenario hatte ich bereits Anfang Dezember in meinem letzten MARKTAUSBLICK in Aussicht gestellt und mich innerhalb der Community auch hierauf vorbereitet.

Damit bleiben die Erwartungen der großen Marktteilnehmer unverändert seit dem 18. Dezember`24 und die Wahrscheinlichkeit hat sich sogar leicht erhöht auf über 93% für keine Zinssenkung im Januar.

FedWatch-Tool

Und wie in der Woche zuvor hier auch weiterhin gut zu sehen, dass laut CME-Watchtool nur 2 Zinssenkungen für 2025 im Raum stehen.

FedWatch-Tool

Bankenstatements

Auch die Banken selbst haben für 2025 Ihre Statements zum Markt angepasst
Hier aus unserem LIVE-TICKER:

🚨BOFA GLOBAL RESEARCH: WE THINK THE CUTTING CYCLE IS OVER; OUR BASE CASE HAS THE FED ON AN EXTENDED HOLD; BUT WE THINK THE RISKS FOR THE NEXT MOVE ARE SKEWED TOWARD A HIKE

🚨Citigroup analysts: Next Fed rate cut will come in May 2025 (prior: Jan 2025)

BofA analysts: Expect no Fed rate cuts in 2025 following non-farm payrolls (prior: 50bps of cuts in 2025)

🚨Goldman: Now expecting two rate cuts this year, in June and Dec, instead of three (loses the March cut) JP Morgan: Also removes a March cut. June + Sept. BofA: The cutting cycle is at an end. An extended hold is most likely.

SAISONALITÄT

Zur Saisonalität 2025 gibt es seit dem letzten NEWSLETTER wenig neues zu sagen und ich wiederhole daher gerne, was ich im letzten geschrieben habe:

Plant euer Jahr im Voraus: Urlaub, Elternzeit oder andere Dinge stehen an. Wie lässt sich also ein „Trading- oder Investing-Jahr“ planen? Die relativ einfache Antwort ist anhand der Saisonalität. Natürlich weichen einzelne Jahre wie auch das vergangene 2024 zum Teil davon ab… jedoch meist nur hinsichtlich der absoluten Renditen, nicht der Trendrichtungen an sich.

Als gutes Beispiel dient die Zeit ab Ende Juli eines jeden Jahres im S&P500 sowie der Nasdaq100: Der August und vor allem der September sind in über 20 Jahren Backtesting meinerseits zu 80% negativ oder breakeven gewesen – somit leite ich für mich die Saisonalität dahingehend ab die Cashquote zu erhöhen, ggfs. im aktiven Trading das Portfolio flat zu stellen und die Monate zum Verreisen oder um mich weiter fortzubilden zu nutzen.

Hier in der Grafik die Saisonalität anhand der MEDIAN der letzen 5-15 Jahre im S&P500.

S&P 500 Seasonality Chart

COT-DATEN

Es hat sich leicht etwas zur Vorwoche getan: Wir sehen über Neujahr haben sich die INSTITUTIONEN mit einer etwas ausgeweiteten SHORT Positionierung gegen Schwankungen in neue Jahr hinein abgesichert. Diese fällt noch im Rahmen aus, keine sprunghaften oder großen Anstiege.

Aufgrund der gestiegenen Volatilität in den letzten Tagen könnten die Absicherungen jedoch auch weiter ausgebaut worden sein. Unsere Datenlage reicht nur bis zum 31. Dezember ’24 zurück, d.h. die letzte Woche ist hier (wie immer zeitversetzt) noch nicht inkludiert.

Durch die negative US-Index Performance diese Woche ist eine Ausweitung auf der SHORT-Seite allerdings wahrscheinlich.

COT-Daten S&P500 Net positions

VIX-VOLATILITÄT

Die Volatilität im Markt, gemessen am S&P500, hier als Grafik zeigt uns sehr gut wie die Schwankungen im Markt zugenommen haben. Und diese Woche haben wir eine eindeutige Richtung eingeschlagen:

VIX Long = Indizes Short

Wäre der Montag für die US-Börsen nicht ein positiver Tag gewesen, wäre ein VIX über 20 nicht unwahrscheinlich gewesen. Es ist auch kommende Woche mit einer erhöhten Volatilität im Markt zu rechnen und ein VIX über 20 bedeutet erhöhter Druck für die Bullen-Seite.

Ich kann es nochmal wiederholen: Die angesprungene Volatilität besteht seit dem FOMC Entscheid vom 18. Dezember ’24 und signalisiert uns damit, dass die Bewertungen an den US Börsen zu hoch sind für die nun geringer ausfallenden Zinssenkungen für 2025. Rebalancing wird seitens der Institutionen betrieben und damit eben auch stärkere Schwankungen an den US-Märkten.

Vix-Index

FEAR & GREED Index

Wie ihr vielleicht bemerkt haben könntet, weite ich zum Teil den NEWSLETTER mit neuen Informationen aus und arbeite noch daran, inwiefern das ganze hier zu lang werden könnte. Schließlich soll das ganze hier in ca 10-15min gut lesbar sein.

Für diese Woche habe ich mich dennoch dafür entschieden, euch noch den CNN FEAR & Greed- Index zu präsentieren.

Was misst dieser Index genau?

Man kann Zusammenfassend sagen – DIE LAUNE der Marktteilnehmer.

– Haben wir ein HYPE-Marktumfeld bei dem einfach alles abseits fundamentaler Fakten gekauft wird?

– Oder herrscht seit Wochen Angst im Markt und die Marktteilnehmer verkaufen alles ab, selbst wenn es sich um fair bewertete Werte handelt?

Um ganz genau zu sein handelt es sich hier hauptsächlich um die Sicht der RETAILER. D.h. dieser Index ist mit „Vorsicht zu genießen“ da er die INSTIS nur minimal mit einfließen lässt.

Dieses Index, auch „Angstbarometer“ genannt, kann wesentlich länger auf einer Seite verbleiben. Auch ist er meist verzögert zu den Tatsächlichen Bewegungen am Markt. Die Daten müssen zuerst gezogen und dann aufbereitet werden – und das nach den erfolgten Bewegungen.

Dies wollte ich für euch einmal eingeordnet haben damit ihr den Index realistisch betrachten könnt, sollte dieser wieder überall in den Finanz-Medien gezeigt werden.

Fear & Greed Index

MACRO-DATEN und EVENTS next Week

Die wichtigsten US-Daten kommende Woche: (in US-Time)

14.01. – 08:30h Core PPI
15.01. – 08:30h CPI Inflation Rate
15.01. – 08:30h FED Beige Book
16.01. – 08:30h Philly Fed Prices Paid

Am Mittwoch folgen mit den CPIs die aktuellsten US-Inflationsdaten, welche voraussichtlich von +2.7% auf +2.9% YoY (Year-over-Year) ansteigen dürften. Die Kerninflation soll laut Prognosen weiterhin bei +3.3% verbleiben. Das NARRATIV der FED mit einer „sticky Inflation“ bleibt damit bestehen.

Wie Ihr sehen könnt treten in der nächsten Zeit MACROS etwas in den Hintergrund. Warum dies so ist?

Wir starten in die US-EARNINGS-SEASON!

Wie hier in der Grafik von Earnings-Whispers gut zu sehen starten wie jede Season die Banken aka. INSTIS selbst zuerst. Die wichtigsten werden dabei sein:

– BLACKROCK
– JP MORGAN
– GOLDMAN SACHS
– MORGAN STANLEY
– CITI GROUP

Nicht unerwähnt lassen möchte ich die TSMC als Schwergewicht im Halbleiter-/ Tech-Sektor!

Nach den zwei starken Wachstumsjahren 2023 und 2024 wird es in 2025 schwierig werden, mit Blick auf Earningswachstum auf Index-Ebene der großen Unternehmen, die Ergebnisse der Vorjahre zu schlagen und die Prognosen weiter anzuheben.

TRADE der WOCHE

Da ich mich weiterhin auf Reisen befinde und die angesprungene Volatilität am Markt sowie alle Infos die ich in den letzten NEWSLETTERN geteilt habe, kaum neue Swingtrades zulassen, agiere ich mit und nicht gegen den Markt.

Wie also in diesem erfolgreich traden?

Indem ich meine Cashquote, durch das realisieren von Gewinnen mit Growth- und Tech-Aktien, kontinuierlich seit November in die Rallys hinein gesteigert habe. Das aktive Trading-Portfolio steht sogar zu 90-100% in Cash, dh. ich bin vom Swingtrading komplett ins Daytrading übergegangen und habe somit kaum Drawdowns zu verzeichnen und eine geglättete Kapitalkurve.

Diese Woche handelt es sich beim „Trade der Woche“ um einen SHORT auf die NASDAQ100 am Tag der NFPs. Auch dieser wurde im neu gestarteten 100k PORTFOLIO getätigt.

Der Tag endete selbst mit knapp 2.000€ Gewinn und damit ca. 2% auf das Portfolio.

…und damit wünsche ich euch auch dieses Wochenende und einen guten Start in die Märkte am Montag mit einem sonnigen Gruß aus Brasilien!

Euer Juri