Newsletter #29: Neue ATHs, ein bullisches Sentiment und Vorsicht
Willkommen zur neunundzwanzigsten Ausgabe unseres Newsletters, liebe Leserinnen und Leser!
Die Märkte zeigen sich weiterhin stark, allen Warnzeichen zum Trotz. Nvidia markiert ein neues Allzeithoch, der S&P 500 läuft stabil nach oben, und selbst geopolitische Spannungen oder unklare Zins-Perspektiven können die Rally bisher nicht bremsen.
Unter der Oberfläche sieht es differenzierter aus: Insider verkaufen in großem Stil, besonders im Tech-Sektor. Die Bewertungen sind hoch, die Marktbreite dünn, nur wenige Werte treiben die Story an der Wallstreet weiter voran. Gleichzeitig positionieren sich CTAs gerade prozyklisch long und könnten ihre Aktienquote kurzfristig verdoppeln.vDas Sentiment bleibt also klar in Richtung Risk-On-Modus – genau dies birgt auch Risiken, sollte die Makro-Seite nicht mehr mitspielen.
In der kommenden Woche folgen wieder einige wichtige Daten und FED-Reden. Wir schauen wie immer auf das, was wirklich zählt.
Legen wir los…
Wochenperformance
Die vergangene Woche lief deutlich stabiler als noch in der Vorwoche. Trotz kurzfristiger Rücksetzer am Dienstag und Mittwoch schließen die großen Indizes am ende der Woche wieder mit einem klaren Plus beim Nasdaq (+1,42 %) und einem soliden Anstieg beim S&P 500 (+0,74 %). Auch der Russell 2000 konnte leicht zulegen (+0,2 %). Lediglich der Dow Jones zeigte sich unverändert (–0,02 %) und bleibt damit weiter zurückhaltend.
Vor allem Tech- und Wachstumswerte treiben die Märkte, während klassische Industrie- und Value-Titel eher seitwärts laufen. Das unterstreicht auch das weiter bestehende Vertrauen der Anleger in KI- und Chip-Aktien, während defensive Werte aktuell weniger gefragt sind.

CME FED-WATCH
An den Wahrscheinlichkeiten einer Zinsänderung hat sich im Vergleich zu letzten Woche außer einer leichten Erhöhung der Zinssenkung nicht viel getan.
Dennoch gewinnt innerhalb der Fed die Diskussion über eine mögliche Senkung zunehmend an Bedeutung. FED-Governor Waller spricht sich aktiv für eine Zinssenkung im Juli aus und sieht den Kurs bereits als zu restriktiv an. Auch Michelle Bowman signalisiert: Sollte die Inflation weiter nachgeben oder der Arbeitsmarkt schwächeln, wäre sie für einen frühen Zinsschnitt.
Bislang bleibt allerdings FED-Chair Jerome Powell zurückhaltend, und die bisherigen Arbeitsmarktdaten, vor allem das starke Juni-Employment-Report, dämpfen die Erwartungen an einen schnellen Kurswechsel.

SAISONALITÄT
Der Juli bleibt seiner Rolle als tendenziell starker Monat im S&P 500 bisher treu, wenn auch mit leichten Abstrichen. Der aktuelle Verlauf zeigt ein solides Plus, welches weiterhin über dem historischen Durchschnitt liegt. Zwar gab es in der Vergangenheit immer wieder Ausreißer, aktuell sehen wir eine eher ruhige und konstante Bewegung nach oben.
Was auffällig ist: Der Markt hat sich bislang nicht von geopolitischen oder wirtschaftspolitischen Ereignissen aus der Ruhe bringen lassen, was auf eine gewisse Robustheit hindeutet. Trotzdem darf man nicht vergessen, dass wir uns mitten in der klassischen Sommerphase befinden. Historisch gesehen flacht das Momentum ab August häufig ab, bevor im Herbst wieder mehr Dynamik reinkommt.
Wir nutzen die Saisonalität weiterhin als unterstützenden Filter, nicht als Auslöser für Einstiege. Im Moment hilft sie uns, die aktuellen Bewegungen einzuordnen und das große Bild nicht aus den Augen zu verlieren.

COT-DATEN
In den aktuellen COT-Daten zeigt sich erneut eine klare Veränderung in der Positionierung der Marktteilnehmer. Die Commercials haben ihre Netto-Long-Position weiter ausgebaut. Das lässt sich tendenziell als bullisher Impuls deuten, auch wenn das kein direktes Kaufinteresse für riskante Assets bedeutet. Vielmehr bleiben die Institutionen damit flexibel, partizipieren an der laufenden Rally, wollen allerdings nicht an dieser mit einer höheren Aktienquote teilhaben – ein Zeichen von leichtem Risk-Off.
Auf der Gegenseite nehmen die Large Speculators weiter Short-Exposure auf. Ihre Netto-Short-Position ist inzwischen auf -167.778 Kontrakte gestiegen. Der Abstand zu den Commercials vergrößert sich also weiter, was typisch ist in fortgeschrittenen Marktphasen.
Die Small Traders bleiben dagegen relativ konstant. Ihre Netto-Long-Position liegt aktuell bei 70.943 Kontrakten. Insgesamt ist das COT-Bild stark polarisiert, was auf eine baldige Richtungsentscheidung hindeuten könnte.

SENTIMENT & RISIKOAPPETIT
Die aktuelle Marktbreite spricht eine klare Sprache: Risk-On.
Die meisten Sentiment-Indikatoren sind weit im rechten Bereich der Skala, also dort, wo Risiko gesucht wird. Besonders deutlich zeigt sich das bei den Risky-Bond-Flows, Global Equity Flows und den CFTC Equity Futures Positionen. Auch der VIX liegt auf einem historischen Tief, was oft mit Selbstsicherheit gleichgesetzt wird. Was viele dabei unterschätzen: Solch ein einseitiger Risikoappetit ist zwar eine zeitlang bullish, kann bei einem Shift auch schnell überhitzen. Wenn alle Marktteilnehmer bereits long investiert sind, bleibt wenige für neue Impulse. Ein paar defensive Signale zeigen sich bei den Safe-Bond-Flows.
Ein gutes Sentiment kann Märkte tragen, irgendwann ist dies jedoch vollends eingepreist. Wer jetzt neu einsteigt, sollte auf klare Setups und ein saubereres Risikomanagement achten.

MARTAUSBLICK
Näheres zu den COT Daten, FED-Watchtool, Indizes und vielem mehr gerne im mittlerweile 14. MARKTAUSBLICK auf unserem YOUTUBE-Channel entnehmen.
VIX-VOLATILITÄT
Der VIX ist auch in dieser Woche weiter von rund 17,3 auf 16,4 Punkte gefallen. Damit setzt sich die entspannte Tendenz der letzten Wochen fort. Der Rückgang um knapp 5 % zeigt: Die Marktteilnehmer erwarten aktuell keine größeren Turbulenzen.
Trotz der ruhigen Volatilitätslage bleibt der Markt selbst eher zurückhaltend. Die Rallys wirken verhalten, viele Anleger scheinen der Ruhe nicht ganz zu trauen. Oder ist es bereits das „Sommerloch“?
Solange wir unter dem Wert von 20 sind bleibt das Umfeld eher gelassen. Ein Sprung darüber wäre allerdings ein klares Warnsignal, aktuell ist davon noch nichts zu sehen.

FEAR & GREED INDEX
Auch in dieser Woche bleibt der Fear & Greed Index auf hohem Niveau. Mit einem stabilen Wert von 75 befinden wir uns weiterhin im Bereich der „Extreme Greed“. Das Sentiment zeigt, dass die Anleger nach wie vor sehr risikofreudig unterwegs sind, was oft ein Zeichen für eine überdehnte Marktphase ist.
Der Wert hat sich im Vergleich zur Vorwoche nicht verändert. Das spricht für eine gewisse Sturheit oder Sorglosigkeit bei den Marktteilnehmer. Vorsicht: Wer jetzt einsteigt, sollte sich bewusst machen, dass Euphorie nicht ewig anhält.
Wie immer gilt: Der Index ist kein Timing-Instrument, aber ein nützlicher Reminder, um mit wachem Blick durch den Markt zu gehen. In überhitzten Phasen selektiv bleiben, das zahlt sich langfristig aus.

AKTUELLE INSIDER
Ein kurzer Blick auf die jüngsten Insidertransaktionen zeigt ein ziemlich klares Bild. Auf der Käuferseite dominieren kleinere und eher unbekannte Unternehmen, Namen wie Bit Digital, Perfect Moment oder Live Ventures. Die Kaufvolumina bleiben überschaubar.
Ganz anders sieht es auf der Verkaufsseite aus. Hier reiht sich ein Big Player an den nächsten. Bei Nvidia wurden erneut über 65 Millionen Dollar an Aktien abgestoßen, Roblox, Robinhood, Micron, Crowdstrike, Broadcom, Datadog, allesamt bekannte Tech- und KI-Titel, die zuletzt stark gelaufen sind. Es ist offensichtlich: Viele Insider nutzen die aktuell hohen Kurse für ordentliche Gewinnmitnahmen.
Die Balance fällt damit klar zu Gunsten der Verkäufe aus. Sowohl in Summe als auch bei der Signalwirkung. Wenn die Großen den Deckel drauflegen, ist dies ein Zeichen, das man nicht ignorieren sollte.


Wer nochmal einen Blick aufs große Ganze werfen will: Das aktuelle Verhältnis von Insiderverkäufen zu Käufen liegt laut LSEG-Daten bei 52:1 – also 52 Verkäufe auf nur einen Kauf. Alles über 20:1 gilt als bearish, unter 12:1 als eher bullisch. Damit sind wir nicht nur klar im Warnbereich, sondern auf einem der höchsten Stände der letzten sechs Monate. Das unterstreicht, was die Einzeldaten schon zeigen. Viele Insider nutzen die Rallye, um ihre Gewinne zu sichern.

Das unterstreicht, was die Einzeldaten schon zeigen. Viele Insider nutzen die Rallye, um ihre Gewinne zu sichern.
CTA-Modelle stehen in den Startlöchern
Trendfolger, also sogenannte CTAs. könnten in den kommenden zwei Wochen ihre Aktienpositionen verdoppeln.
Warum ist das spannend? Weil CTAs nicht aus dem Bauch heraus handeln, sondern regelbasiert, sie reagieren auf Trends, Volatilität und Momentum. Der Aufbau von Long-Positionen durch CTAs kann in der aktuellen Phase für zusätzlichen Rückenwind sorgen vor allem dann, wenn dies in eine Marktphase fällt, in der Liquidität dünn ist und wenige Verkäufer gegenüberstehen.
Wenn diese Modelle nun also wirklich aufspringen, kann das kurzfristig für eine weitere Rally sorgen. Aber: Auch das Risiko eines schnellen Richtungswechsels steigt. Je nachdem, wie sich Makrodaten und News entwickeln, könnte sich das Risiko verändern.

MACRO-DATEN und EVENTS
Die wichtigsten US-Daten kommende Woche:
Dienstag, 22. Juli
- 🕝 14:30 Uhr – Rede von Jerome Powell
→ Hohes Marktpotenzial. Powells Worte könnten neue Hinweise auf den Zinskurs liefern, vor allem nach den zuletzt schwächeren Inflationsdaten. Jeder Tonfallwechsel könnte zu Volatilität führen. - 🕝 19:00 Uhr – Rede von Michelle Bowman (Fed)
Mittwoch, 23. Juli
- 🕓 16:00 Uhr – US Existing Home Sales (Juni)
→ Wichtiger Frühindikator für Konsum & Kreditvergabe. Bei anhaltender Schwäche könnten Sorgen um die US-Konjunktur zunehmen.
Donnerstag, 24. Juli
- 🕝 14:30 Uhr – US Initial Jobless Claims
→ Regelmäßig starker Impulsgeber. Ein Anstieg würde Sorgen um den Arbeitsmarkt schüren, ein Rückgang eher bullisch interpretiert. - 🕓 15:45 Uhr – S&P Global PMI Daten
→ Sehr marktbewegend. Vor allem der Services-PMI gilt als Frühindikator für die Konjunkturentwicklung. Werte über/unter Erwartung könnten Risk-On/Risk-Off auslösen.
Freitag, 25. Juli
- 🕝 14:30 Uhr – US Durable Goods Orders
→ Starker Produktionsindikator.
MACRO-DATEN und EVENTS
Die wichtigsten US-Daten in der kommenden Woche:
Dienstag, 22. Juli
- 🕝 14:30 Uhr – Rede von Jerome Powell
→ Hohes Marktpotenzial. Powells Worte könnten neue Hinweise auf den Zinskurs liefern, vor allem nach den zuletzt schwächeren Inflationsdaten. Jeder Tonfallwechsel könnte zu Volatilität führen. - 🕝 19:00 Uhr – Rede von Michelle Bowman (Fed)
Mittwoch, 23. Juli
- 🕓 16:00 Uhr – US Existing Home Sales (Juni)
→ Wichtiger Frühindikator für Konsum & Kreditvergabe. Bei anhaltender Schwäche könnten Sorgen um die US-Konjunktur zunehmen.
Donnerstag, 24. Juli
- 🕝 14:30 Uhr – US Initial Jobless Claims
→ Regelmäßig starker Impulsgeber. Ein Anstieg würde Sorgen um den Arbeitsmarkt schüren, ein Rückgang eher bullisch interpretiert. - 🕓 15:45 Uhr – S&P Global PMI Daten
→ Sehr marktbewegend. Vor allem der Services-PMI gilt als Frühindikator für die Konjunkturentwicklung. Werte über/unter Erwartung könnten Risk-On/Risk-Off auslösen.
Freitag, 25. Juli
- 🕝 14:30 Uhr – US Durable Goods Orders
→ Starker Produktionsindikator.
FED-SPEAKER
In der kommenden Woche stehen gleich mehrere wichtige Auftritte von FED-Offiziellen an, darunter auch von ganz oben: Am Dienstag spricht FED-Chair Jerome Powell bereits um 8:30 Uhr (US-Zeit). Später am Tag folgt FED-Vice-Chair Michelle Bowman. Beide Reden könnten Hinweise auf die aktuelle geldpolitische Lage liefern, vor allem in Hinblick auf die Frage: Wann kommt der erste Zinsschritt?
Bisher gibt sich Powell noch zurückhaltend, aber einzelne Stimmen im Gremium werden, wie anfangs bereits beschrieben, lauter, zuletzt Waller und auch Bowman selbst.
Dazu kommen wie gewohnt einige Veröffentlichungen zu Zins- und Liquiditätsdaten, die vor allem für Makro-Fans interessant sein dürften. Das Highlight der Woche bleibt aber der Dienstagvormittag mit den beiden großen Namen auf der Bühne.

EARNING SEASON
Die Berichtssaison geht in die nächste Runde und in dieser Woche stehen echte Schwergewichte auf dem Plan. Das dürfte für frischen Wind sorgen und potenziell auch für mehr Volatilität.
Besonders im Fokus:
- Alphabet & Tesla
Zwei Big-Techs, die stark im Rampenlicht stehen. Bei Alphabet geht es vor allem um die Werbeeinnahmen und Fortschritte bei Gemini. Bei Tesla schauen Anleger wie immer auf Margen, Ausblick und den Stand der Robotaxi-Fantasie. Die Reaktionen könnten sehr unterschiedlich ausfallen, Erwartungen sind in beiden Fällen hoch. - Intel
Spannend für den gesamten Halbleitersektor. Nach den eher schwachen Zahlen von Micron & Co. liegt der Fokus auf KI-Infrastruktur und Margenentwicklung. Das kann Tech insgesamt beeinflussen. - Coca-Cola, General Motors, RTX, AT&T
Zahlen aus der Old Economy, wichtig für den breiten Markt. Besonders Coca-Cola liefert oft Hinweise auf die Konsumstimmung, RTX und GM wiederum auf Industrie & Zyklische Sektoren.

Damit sind wir für diese Woche durch. Die Märkte feiern neue Allzeithochs, vor allem dank Nvidia und weiterem Rückenwind durch die Trendfolger-Modelle, aber unter der Oberfläche wird die Luft immer dünner. Insider trennen sich von Anteilen, das Sentiment ist einseitig optimistisch und selbst die Marktbreite lässt nach.
Für uns bedeutet das: Wir stellen uns nicht gegen den laufenden Trend. Wer Gewinne laufen lässt, sollte sie absichern. Wer neu einsteigen will, muss genau hinschauen, wo die Risiken liegen. In solchen Phasen zahlt sich Gelassenheit mehr aus als Aktionismus.
Wir wünschen euch eine ereignisreiche Woche und erfolgreiche Trades und Investments!
bis nächsten Sonntag,
Eure GREY CAPITAL-Redaktion
