Newsletter #19: Die Bestätigung fehlt noch Anleger werden mutiger

Willkommen zur neunzehnten Ausgabe dieses Newsletters, liebe Leserinnen und Leser!

Die globalen Finanzmärkte stehen erneut im Zeichen bedeutender Entwicklungen. Von geldpolitischen Entscheidungen über makroökonomische Indikatoren bis hin zu unternehmensspezifischen Nachrichten – die vergangenen Tage lieferten wegweisende Impulse für Investoren und Marktbeobachter. Während die US-Notenbank weitere Signale zur Zinspolitik setzte, sorgten unerwartete Wirtschaftsdaten in Europa für Unsicherheiten. Auch die Berichtssaison der großen Konzerne hielt einige Überraschungen bereit und setzte neue Akzente in den wichtigsten Indizes.
 
In dieser Ausgabe fassen wir wieder die signifikantesten Ereignisse zusammen, analysieren deren Auswirkungen auf die Märkte und werfen einen Blick auf die entscheidenden Kennzahlen, die in der kommenden Woche im Fokus stehen könnten. Viel Spaß beim Lesen!

Wochenperformance

Vergangene Handelswoche haben die Indizes kaum verändert über die Woche geschlossen. Begonnen haben wir in den ersten Tagen mit einem leichten Rückgang woraufhin wir mit dem FOMC Event wieder stärke gefunden haben. Ob dies Nachhaltig sein wird, wird sich zeigen.

Unsere konkreten Handelsideen findet ihr nur in der Community.

5-Tages-Performance US-Indizes

CME FED Watch

Vergangene Woche kam es zum Zinsentscheid der FED. Wie erwartet sind die Zinsen nicht gesenkt worden und bei 425-450 Basispunkten verblieben. Bis zum nächsten Zinsentscheid bleiben noch ca. 37 Tage. Aktuelle Prognosen sagen, dass auch dann keine Zinssenkung erfolgt (siehe Bild). Die Wahrscheinlichkeit wird sich bis dahin noch verändert haben. Es ist ganz davon abhängig davon wie sich die Politik in den USA entwickelt.

FedWatch-Tool

Saisonalität

Wie in der letzten Ausgabe bereits vermutet, haben wir uns vergangene Woche seitwärts im Markt bewegt. Laut der Saisonalität wird sich dies in der kommenden Woche nicht großartig verändern. Natürlich können anstehende Events erhöhte Volatilität mit sich bringen. Welche für kommende Woche relevant sind, werden wir später besprechen.

S&P 500 Seasonality Chart

COT-Daten

Die COT-Daten haben sich, im Vergleich zu letzter Woche, nicht wirklich verändert. Kein Marktteilnehmer hat seine Positionen ausgebaut oder reduziert. Die Datenlage ist wie immer um wenige Tage verzögert, daher bleibt abzuwarten was der Zinsentscheid in den Positionierungen der Institutionellen Marktteilnehmer ausgelöst hat. Eine kurze Übersicht:
– Small Trader/Retailer: leicht Long positioniert
– Large Speculators: tendenziell Short positioniert
– Commercial/Institutionelle: ebenfalls leicht Long positioniert

COT-Daten S&P500 Net positions

VIX-Index

Der VIX Index ist wieder auf dem Weg zu 20 Punkten was wir schon seit Ende März nicht mehr gesehen haben. Dies wirkt beruhigend auf die Anleger, wodurch Kapital Richtung den Indizes laufen könnte. Warum ein niedriger VIX positiv ist, haben wir in einer vergangenen Ausgabe bereits besprochen. Schaut sie euch gerne an!

Vix-Index

VIX schwach trotz großen Long Positionierungen

Die Grafik zeigt zwei zentrale Entwicklungen: Zum einen die Netto-Positionen der nicht-kommerziellen Händler in VIX-Futures und zum anderen den Verlauf des VIX-Index selbst. Auffällig ist, dass die spekulativen Marktteilnehmer seit Januar 2025 wieder deutlich auf eine steigende Volatilität setzen, was sich in den positiven Netto-Positionen widerspiegelt. Diese Erwartungshaltung steht allerdings im Widerspruch zur aktuellen Entwicklung des VIX, der nach einem kurzfristigen Anstieg Ende 2024 wieder abgeflacht ist.

Das Spannungsfeld zwischen den Long-Positionen der Händler und dem tatsächlichen Rückgang des VIX könnte zu Marktbewegungen führen, wenn sich die Volatilität nicht wie erhofft entwickelt – entweder durch forcierte Liquidationen oder einen plötzlichen Short-Squeeze.

Kapitalflüsse – Global Equity Systematic Macro

Die Grafik zeigt die Entwicklung der Kapitalflüsse im Bereich „Global Equity Systematic Macro“ im Jahr 2025. Bis Mai kam es zu erheblichen Abflüssen von fast 400 Milliarden US-Dollar, was auf Verkäufe und eine pessimistische Markterwartung hindeutet. Ab Mai stabilisiert sich der Kapitalfluss und verzweigt sich in unterschiedliche Szenarien, die auf verschiedenen Standardabweichungen basieren.
Das Basisszenario (dunkelblau) deutet auf moderate Zuflüsse hin, während optimistischere Szenarien (+1 und +2 Standardabweichungen) einen deutlich stärkeren Kapitalzuwachs zeigen. Goldman Sachs erwartet, dass die Käufe fortgesetzt werden, sich das Wachstum jedoch verlangsamt – insbesondere mit einem Fokus auf US-Aktien, die etwa 41 % der erwarteten Zuflüsse ausmachen sollen.

Systematic Trading Strategies & Macro Analysis, 2025; Quelle: Goldman Sachs

Dealergamma

Die Grafik zeigt die aktuelle Gamma-Positionierung von Delta-Hedgern im S&P 500 in Abhängigkeit verschiedener Spot-Levels. Der blaue Bereich stellt dabei die Marktreaktionen der Hedger dar, abhängig von der Kursentwicklung des S&P 500. Der aktuelle Spot-Preis (rote Linie) liegt im negativen Gamma-Bereich, was auf verstärkten Verkaufsdruck bei weiteren Kursrückgängen hindeutet. Der CTA Buy Trigger (grüne Linie) markiert eine Kaufzone, bei deren Erreichen automatische Käufe einsetzen könnten.

Fear and Greed Index

Wir haben zwischen dieser und letzter Ausgabe quasi einen Bereich übersprungen und sind direkt bei “Greed” gelandet. Aktuell stehen wir bei einem Wert von 62, welcher ziemlich optimistisch ist. Im Grunde sind wir, von der Marktstimmung, wieder im Bullenmarkt angekommen. Chart-technisch ist dieser allerdings noch nicht “bestätigt”. Mehr dazu gibt es im Wöchentlichen Marktausblick.

Fear & Greed Index

Aktuelle Insider Transaktionen

Im Jahr 2025 haben sich erneut zahlreiche Insider-Transaktionen bei verschiedenen Unternehmen angesammelt. Hier habt ihr die wichtigsten Bewegungen im Überblick. Zu den Käufen zählen unter anderem Trimas, Alumis und Ardelyx. Bei allen drei Unternehmen wurden Aktien in Millionenhöhe erworben. Besonders auffällig ist der Kauf bei Trimas, wo ein Insider über 3,3 Millionen USD in Aktien investierte. Diese Transaktionen spiegeln Vertrauen in die zukünftige Entwicklung der Unternehmen wider, da die Käufer optimistisch auf die nächsten Monate blicken.

Auf der anderen Seite sehen wir größere Verkäufe bei Unternehmen wie Verona Pharma Plc, Palo Alto Networks, Tesla und Microsoft. Besonders bemerkenswert ist der Abverkauf bei Verona Pharma, wo Insider Aktien im Wert von knapp 102 Millionen USD verkauft haben – der größte Einzelverkauf in der Liste. Dies muss jedoch nicht zwingend negativ interpretiert werden. Häufig realisieren Insider Gewinne, insbesondere nach starken Kursanstiegen. Gerade bei den Tech-Giganten könnten diese Verkäufe auch strategische Anpassungen darstellen, um Kapital umzuschichten.

Insgesamt zeigen die Bewegungen sowohl Vertrauen in einzelne Wachstumsbranchen als auch Gewinnmitnahmen in Bereichen, die zuletzt stark performt haben.

Übersicht aktueller Insider-Käufe und -Verkäufe; Quelle: @WallStJesus

Insider Transaction Ratio

Die Grafik zeigt das Verhältnis (Ratio) von Insider-Verkäufen zu Insider-Käufen im Verlauf des letzten Jahres. Werte unter 12:1 gelten als bullish, da in diesen Phasen mehr gekauft als verkauft wird – ein Zeichen für Vertrauen in zukünftige Marktgewinne. Umgekehrt sind Werte über 20:1 als bearish einzustufen, da hier deutlich mehr Verkäufe als Käufe stattfinden, was auf Zurückhaltung oder Unsicherheit der Insider hindeutet.

Auffällig ist, dass es in den Monaten Dezember und Januar starke Anstiege im Ratio gab, die deutlich im bearishen Bereich lagen. Besonders im Januar erreichte das Verhältnis ein Hoch von über 60, was auf massive Abverkäufe seitens der Insider hindeutet. Diese Bewegungen könnten auf Gewinnmitnahmen nach Kursanstiegen oder Unsicherheit bezüglich der weiteren Marktentwicklung zurückzuführen sein.

Aktuell liegt das Verhältnis wieder bei 30, was ebenfalls im bearishen Bereich liegt und auf eine eher vorsichtige Haltung der Insider schließen lässt. Es bleibt abzuwarten, ob sich diese Zurückhaltung fortsetzt oder ob sich das Ratio wieder in Richtung der bullishen Zone bewegt.

FED Speaker

Hier findet ihr wieder eine Übersicht für kommende Woche. Bedenkt, dass diese oft nicht in den üblichen Kalendern einbegriffen werden, obwohl diese Events für zusätzliche Volatilität sorgen können!

FED-Events

Macro-Daten und Events (Deutsche Zeit)

Die wichtigsten US-Daten kommende Woche:

  • Dienstag
    • 14:30 – Core CPI (MoM)
    • 14:30 – CPI (YoY)
    • 14:30 – CPI (MoM)
  • Mittwoch
    • 08:00 – Deutscher CPI (YoY) + (MoM)
    • 16:30 – Crude Oil Inventories
  • Donnerstag
    • 08:00 – GDP (MoM) + (YoY) + (QoQ) (Großbritanien)
    • 14:30 – Core Retail Sales (MoM)
    • 14:30 – Initial Jobless Claims
    • 14:30 – Philadelphie FED Manufacturing Index
    • 14:30 – PPI (MoM) + (YoY)
    • 14:30 – Retail Sales (MoM)
    • 14:40 – FED Chair Powell Speaks
  • Freitag
    • 01:50 – GDP (YoY) + (QoQ) (Japan)

Earnings

Wir neigen uns dem Ende der Earnings-Season zu. Vergangene Woche haben fast schon die letzten relevanten Unternehmen berichtet. Dennoch bleibt vor allem ein Unternehmen übrig, welches für besonders viel Aufmerksamkeit sorgen wird: Nvidia. Genauer werden wir allerdings erst nächste Woche darauf eingehen. Für kommende sind folgende Unternehmen noch erwähnenswert:

  • Nu Holdings (Dienstag)
  • SEA Ltd. (Dienstag)
  • JD.Com (Dienstag
  • CISCO (Mittwoch)
  • Walmart (Donnerstag)
  • Applied Materials (Donnerstag)
  • ALIBABA (Donnerstag)

Wie immer vielen Dank fürs Lesen und eine erfolgreiche Handelswoche wünscht euch,

Eure Grey Capital Redaktion