GREY BRIEFING #10: Neue Allzeithochs – hält die Rallye bis zur FED?
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Die erste Oktoberwoche brachte erneut neue Allzeithochs an den US-Börsen. Trotz des laufenden Government Shutdowns und der fehlenden Arbeitsmarktdaten zeigten sich die Indizes erstaunlich stabil. Dow und S&P legten teilweise rund +1,1 % zu, der Nasdaq kam sogar auf +1,3 %. Rückenwind kam vor allem von den weiter hohen Erwartungen an bevorstehende Zinssenkungen der FED und massiven Kapitalzuflüssen in Aktienfonds, die das höchste Niveau seit fast einem Jahr erreicht haben.
Während in den USA Optimismus dominiert, blieb der deutsche Markt wegen des Feiertags am 3. Oktober ruhig, und auch in Europa trieben vor allem Zinsfantasie und Tech-Stärke die Kurse.
Wie immer geht’s jetzt direkt rein in die…
Wochenperformance
Die US-Märkte zeigten sich in der vergangenen Woche freundlich und konnten nach zuletzt gemischter Entwicklung wieder zulegen. Der Dow Jones führte mit einem kräftigen Plus von +1,13 % die großen Indizes an, gefolgt vom S&P 500 mit +0,74 %. Auch der Nasdaq 100 konnte mit +0,29 % leicht ins Plus drehen, während das Small-Cap-Barometer Russell 2000 mit einem Anstieg von +1,54 % sogar die beste Performance zeigte.
Es dominierte insgesamt ein positiver Grundton, gestützt durch die anhaltende Zinssenkungsfantasie und deutliche Kapitalzuflüsse in Aktien. Gewinnmitnahmen im Tech-Sektor hielten sich diesmal in Grenzen, und vor allem breiter aufgestellte Werte profitierten von der verbesserten Stimmung.

BITCOIN
Standard Chartered hat zuletzt für Aufsehen gesorgt. Die Bank sieht Bitcoin bis Dezember bei 200.000 US-Dollar. Treiber dieser extrem bullischen Prognose sind die anhaltend starken Zuflüsse in US-Spot-ETFs, die im Schnitt über 500 Mio. Dollar pro Woche betragen.
Die Grafik zeigt: Immer dann, wenn die grünen Balken (ETF-Zuflüsse) dominieren, zieht auch der Bitcoin-Kurs nach oben. Abflüsse (rote Balken) bremsen die Rallye hingegen spürbar. Das macht klar, wie stark die Preisentwicklung inzwischen von diesen Strömen abhängt.
Mit Blick auf die Marktkapitalisierung sprechen wir bei einem Kursziel von 200K von rund 4 Billionen US-Dollar. Welche eine Größenordnung ist, die Bitcoin endgültig in einer Liga mit den global größten Asset-Klassen spielen lassen würde.
Solange die ETF-Zuflüsse also stabil bleiben, ist das bullische Narrativ intakt. Doch Anleger sollten im Hinterkopf behalten, dass wenn die Flows ins Negative drehen, auch das Sentiment kippen wird.

Auch JPMorgan meldet sich mit einer bullischen Prognose zu Wort. Die Strategen um Nikolaos Panigirtzoglou sehen Bitcoin bis 2025 bei 165.000 US-Dollar. Die Argumentation ist dabei eine andere als bei Standard Chartered. Im Fokus steht der Vergleich zu Gold, angepasst um die unterschiedliche Volatilität.
Der sogenannte Bitcoin-to-Gold-Volatility-Ratio ist inzwischen unter 2,0 gefallen. Bitcoin absorbiert also nur noch etwa 1,85-mal so viel Risikokapital wie Gold. Damit nähert sich BTC im Risiko-Rendite-Profil dem Edelmetall an und wirkt nach JPMorgans Modell aktuell unterbewertet.
Die Grafik zeigt die Differenz zwischen Bitcoin-Kurs und dem „vol-adjusted fair value“ im Vergleich zu Gold. Zuletzt liegt BTC unter diesem fairen Wert, was die Analysten als Aufholpotenzial interpretieren.
Beide Ansätze deuten in die gleiche Richtung, Bitcoin bleibt aus Analystensicht unterbewertet.

CME FED-WATCH
Das FedWatch Tool signalisiert für die Sitzung am 29. Oktober 2025 inzwischen eine noch deutlichere Erwartungshaltung. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 96,2 % gehen die Marktteilnehmer davon aus, dass die Fed den Leitzinskorridor von aktuell 4,00–4,25 % auf 3,75–4,00 % absenkt. Nur 3,8 % rechnen damit, dass das Zinsband unverändert bleibt. Eine Zinserhöhung wird weiterhin vollständig ausgeschlossen.
Damit hat sich die Markterwartung im Vergleich zur Vorwoche weiter gefestigt. Die Märkte preisen den Fortgang des Lockerungszyklus quasi als sicher ein. Für Aktien und Anleihen hat dies diese Woche weiteren Rückenwind bewiesen, während das Risiko negativer Überraschungen bei der FED-Entscheidung abnimmt.

SAISONALITÄT
Der S&P 500 bleibt auch Anfang Oktober klar über dem historischen Durchschnitt. Mit einem Year-to-Date Zuwachs von gut 15 % notiert der Index deutlich oberhalb der 5-, 10- und 15-Jahresdurchschnitte. Während diese im Bereich von rund +7 bis +10 % liegen, hebt sich der aktuelle Jahresverlauf klar positiv ab. Von der typischen Herbstschwäche ist bisher wenig zu sehen. Zinssenkungserwartungen und die anhaltende KI-Euphorie liefern weiterhin Rückenwind, sodass der Markt historische Muster bislang überlagert.
Spannend bleibt der Blick auf den weiteren Oktober. Statistisch gesehen kommt es in diesem Monat häufiger zu Rücksetzern, bevor ab November die Jahresendrally einsetzt. Sollte die FED Ende Oktober tatsächlich die erwartete Zinssenkung liefern, dürfte der Markt jedoch weiter oberhalb der historischen Durchschnitte bleiben – und die Saisonalität erneut in den Hintergrund treten.

COT-DATEN
ACHTUNG: Aufgrund des Government Shutdowns erklärte die Commodity Futures Trading Commission, dass sie die Veröffentlichung des Berichts erst wieder aufnehmen werde, sobald der Betrieb wieder normal läuft. → dh. diese Woche haben wir leider keine Einblicke in das treiben der COT-Daten…
MARTAUSBLICK
Näheres zu den COT Daten, FED-Watchtool, Indizes und vielem mehr gerne im mittlerweile 15. MARKTAUSBLICK auf unserem YOUTUBE-Channel entnehmen.
VIX-VOLATILITÄT
Der VIX legte in dieser Woche spürbar zu und notiert aktuell bei 16,65 Punkten, rund 5,1 % höher als in der Vorwoche. Im Wochenverlauf schwankte der Index zwischen 15,8 und 16,8 Punkten, wobei die Ausschläge vor allem von wechselnden Erwartungen an die Fed-Politik und den laufenden US-Shutdown getrieben waren.
Anders als in der Vorwoche zeigt sich diesmal ein klassischeres Bild. Steigender VIX bei steigenden Unsicherheiten, während die Aktienmärkte zwar überwiegend zulegen konnten, aber von Nervosität begleitet waren. Das signalisiert, dass Investoren vermehrt zu Absicherungen greifen, auch wenn die Bewegungen im Volatilitätsindex weiterhin moderat bleiben.
Mit Blick auf das Niveau bleibt der VIX im historischen Vergleich sehr niedrig, nahe seiner Jahrestiefs. Das unterstreicht eine insgesamt ruhige Marktstimmung, macht die Märkte jedoch gleichzeitig anfällig für plötzliche Ausschläge. Sollten die kommenden Wochen unerwartet schwächere Konjunkturdaten oder geopolitische Risiken bringen, könnte der VIX rasch wieder über die Marke von 17 Punkten springen.

FEAR & GREED INDEX
Der Fear & Greed Index steht aktuell bei 54 Punkten und damit leicht über dem Vorwochenwert (53). Der Wert bewegt er sich im neutralen Bereich, doch die Einordnung fällt anders aus. Angesichts der starken Kursgewinne in den vergangenen Monaten signalisiert der Index weniger ungetrübte Stabilität, sondern eher eine vorsichtige Zurückhaltung.
Viele Anleger scheinen den hohen Marktstand zwar zu akzeptieren, aber nicht voll darauf zu vertrauen. Das drückt sich darin aus, dass trotz neutralem Wert ein spürbares Maß an Skepsis im Markt liegt. Euphorie bleibt aus, während gleichzeitig auch keine echte Angst erkennbar ist, wir würden es eher als ein „vorsichtiges Neutral“ werten.
Solange der Index in dieser Zone verharrt, dürfte der Markt zwar weiterhin bullish bleiben, jedoch auf das “abfallen” gefasst sein. Ein Rückfall unter 50 würde wieder stärker auf Risikoaversion und Gewinnmitnahmen hindeuten.

INVESTOREN-SENTIMENT
Der GS-Equity Sentiment Indicator steht aktuell bei –0,6 und zeigt damit, dass Anleger trotz der Rally seit April eher vorsichtig positioniert sind. Wie im Fear & Greed Index eben bereits gedeutet. Normalerweise würde man nach einem halben Jahr steigender Kurse erwarten, dass die Investoren schon euphorisch übergewichtet sind, das Gegenteil ist der Fall.
Die Rally wird nicht von breiter Marktgier getragen, sondern vor allem von passiven Kapitalströmen, Buybacks und den Mega-Caps, die den Markt hochziehen. Viele Investoren sitzen noch auf der Seitenlinie oder sind nur leicht investiert.
Solange die Positionierung nicht „gestretched“ ist, bleibt Luft nach oben, falls Anleger irgendwann gezwungen sind, nachzuziehen. Gleichzeitig steckt darin aber auch ein Warnsignal. Die Rally basiert nicht auf breitem Vertrauen, sondern auf wenigen starken Kräften. Sollte eines dieser Beine wegbrechen, könnte die Korrektur schnell und heftig ausfallen.

MACRO-DATEN und EVENTS
In der kommenden Woche richten sich die Augen der Märkte vor allem auf zwei große Events: die Veröffentlichung des FOMC-Protokolls am Mittwochabend und die Rede von Fed-Chef Jerome Powell am Donnerstag. Beide könnten frischen Wind in die Zinserwartungen bringen oder bestehende Annahmen bestätigen. Ergänzt wird die Woche durch die Jobless Claims am Donnerstag und den Michigan Consumer Sentiment Index am Freitag. zwei verlässliche Barometer für Arbeitsmarkt und Konsumklima.
Die wichtigsten US-Daten kommende Woche:
Montag, 6. Oktober
🇺🇸 3‑Monats‑ und 6‑Monats‑T‑Bill‑Auktionen – 17:30 Uhr
Dienstag, 7. Oktober
🕓 16:00 Uhr – Fed‑Rede von Raphael Bostic
→ Wichtige Stimme im FOMC; Hinweise auf Wirtschaftslage und Inflation werden genau verfolgt.🕕 17:00 Uhr – Consumer Inflation Expectations
→ Frühindikator für die Inflationserwartungen der Verbraucher. Relevant für den geldpolitischen Ausblick.🕟 19:00 Uhr – 3‑Year Note
🕘 21:00 Uhr – Consumer Credit Change
🕙 22:30 Uhr – API Crude Oil Stock Change
Mittwoch, 8. Oktober
🕟 16:30 Uhr – EIA Crude Oil Stocks Change
🕖 19:00 Uhr – 10‑Year Note
→ Beeinflusst die langfristigen US‑Renditen; hohe Nachfrage stützt Anleihen.🕘 21:00 Uhr – FOMC‑Minutes
→ Schlüsselereignis der Woche: Enthüllt Details aus der letzten Fed‑Sitzung. Märkte reagieren stark auf Hinweise zu zukünftigen Zinsschritten.🕙 21:15 Uhr – Rede von Neel Kashkari
→ Kommentare zur Inflation oder zu zukünftigen Zinspfaden können die Marktstimmung beeinflussen.
Donnerstag, 9. Oktober
🕕 14:30 Uhr – Rede von Fed‑Chair Jerome
→ Das markanteste Event der Woche. Powells Äußerungen zu Inflation, Rezessionsrisiken und zukünftigen Zinsschritten werden von allen Marktteilnehmern erwartet.🕕 14:30 Uhr – Initial Jobless Claims & Continuing Jobless
→ Wöchentliche Erstanträge und fortlaufende Anträge auf Arbeitslosenhilfe; wichtiger Frühindikator für den Arbeitsmarkt.🕕 14:35 Uhr – Fed‑Rede von Michelle
→ Gibt zusätzliche Einblicke in die Fed‑Haltung.🕓 16:30 Uhr – EIA Natural Gas Stocks
🕗 19:00 Uhr – 30‑Year Bond
Freitag, 10. Oktober
🕓 16:00 Uhr – Michigan Consumer Sentiment
→ Misst das Vertrauen der US‑Verbraucher; enthält auch 5‑Jahres‑Inflationserwartungen. Unerwartete Werte können die Zinserwartungen beeinflussen.🕓 16:00 Uhr – Michigan Consumer Expectations, Current Conditions und Inflation Expectations
→geben detaillierteren Aufschluss über die Stimmung.
🕗 20:00 Uhr – Monthly Budget Statement
→ Zeigt den Haushaltssaldo der US‑Regierung; relevant für Diskussionen um Staatsverschuldung.
FED-SPEAKER & EVENTS
Wie vorhin bereits erwähnt ist die Woche ist geprägt von einer regelrechten Fed-Sprechflut. Vor allem Powells Auftritt am Donnerstag und die Veröffentlichung der FOMC Minutes am Mittwoch haben das größte Marktpotenzial und könnten neue Hinweise liefern, wie konkret die Fed ihre Zinssenkungsschritte plant.

Dienstag, 7. Oktober: Vice Chair Michelle Bowman spricht am Vormittag, dazu Diskussionen mit Fed-Governor Stephen Miran.
Mittwoch, 8. Oktober: Neben einem Vortrag von Fed-Governor Michael Barr werden die FOMC Minutes veröffentlicht, einer der spannendsten Punkte der Woche, da die Protokolle tieferen Einblick in die letzte Zinssitzung geben.
Donnerstag, 9. Oktober: Der dichteste Tag, gleich mehrere Auftritte, unter anderem von Fed Chair Jerome Powell am Morgen. Auch Bowman und Barr sprechen erneut. Hier dürften die Märkte besonders genau hinhören.
Freitag, 10. Oktober: Etwas ruhiger, mit den üblichen Wochenpublikationen (u.a. H.8 – Assets & Liabilities der US-Banken).
INSIDER
Kommen wir zu den Insidern…
auf der Kaufseite ist die größte Transaktion diese Woche bei PEPG (RA Capital Management, ~30 Mio. USD) zu sehen. Wie die letzten Wochen auch bleibt das Bild insgesamt schwach, keine marktbewegenden Schwergewichte, eher Midcaps und Spezialwerte.
Ganz anders sieht es auf der Verkaufsseite aus. Hier tauchen erneut die großen Namen auf, mit massiven Summen.
Nvidia (NVDA, Jensen Huang) – über 150 Mio. USD
Robinhood (HOOD, Vlad Tenev) – rund 212 Mio. USD
Sea Ltd. (SE) – 287 Mio. USD
Dell (DELL) – 150 Mio. USD
T-Mobile (TMUS) – 61 Mio. USD
Palo Alto Networks (PANW) – 61 Mio. USD
Netflix (NFLX, Reed Hastings) – 49 Mio. USD
Bemerkenswert ist, dass sowohl Jensen Huang (Nvidia) als auch Vlad Tenev (Robinhood) ihre Anteile direkt an den Tops der jeweiligen Charts verkauft haben.
Während auf der Kaufseite keine großen Impulse sichtbar sind, nutzen Insider bei den Tech- und Wachstumswerten die weitere Rally, um ihre hohen Kurse konsequent für Gewinnmitnahmen zu nutzen.


EARNING SEASON
Die Berichtswoche fällt vergleichsweise ruhig aus. Echte Index-Schwergewichte fehlen. Trotzdem gibt es ein paar Zahlen, die Einblicke in Konsumverhalten und Kostenstruktur geben können.
Im Fokus steht am Donnerstag PepsiCo, einer der größten globalen Konsumwerte. Die Ergebnisse sind nicht nur für den Getränkesektor relevant, sondern liefern auch Hinweise, wie gut Unternehmen Preissteigerungen durchsetzen können und wie sich Konsumenten in einem Umfeld hoher Inflation verhalten.
Ebenfalls am Donnerstag berichten Delta Airlines und Levi’s. Delta ist ein guter Indikator für die Reiselust und die Belastung durch höhere Energiepreise. Levi’s wiederum zeigt, wie stark Konsumenten im Einzelhandel noch bereit sind, für Markenprodukte zu zahlen. Wir kriegen hier ein kleines Fenster in die Stimmung im Textil- und Retailsektor.
Die Earnings-Woche bleibt damit eher ruhig, kann aber Hinweise liefern, wie sich Konsum und Nachfrage im aktuellen Zins- und Inflationsumfeld entwickeln.

Die Märkte starten mit Rückenwind in den Oktober, getragen von Zinssenkungsfantasie, massiven Kapitalzuflüssen und einer weiterhin niedrigen Volatilität. Entscheidend in dieser Woche werden vor allem die zahlreichen FED-Reden rund um Powell, Bowman und Barr sowie die Veröffentlichung der FOMC-Minutes am Mittwoch. Sie dürften Hinweise liefern, wie konkret die FED ihre nächsten Schritte plant.
Auf Unternehmensseite bleibt es eher ruhig. Mit PepsiCo, Delta und Levi’s aber immerhin ein paar Konsum- und Reisetiteln, die Aufschluss über Nachfrage und Preisdynamik geben können.
Wir sehen uns nächste Woche wieder im GREY BRIEFING. Bis dahin, bleibt fokussiert und handelt mit Plan!
Eure GREY CAPITAL-Redaktion
