Newsletter #26: Entspannung nach der Eskalation Märkte setzen ihren Aufwärtstrend fort

Einen schönen Sonntag und sonnige Grüße aus Lissabon wünscht die Redaktion!

Willkommen zur sechsundzwanzigsten Ausgabe unseres Newsletters, liebe Leserinnen und Leser!

Die vergangene Handelswoche ist anders gestartet als es sich die meisten vorgestellt haben. Durch den Angriff auf den Iran durch die USA, ist die Angst gestiegen, dass es zu einem kurzfristigen Einbruch der Indizes und einen Ausbruch von Gold und Öl kommt. Wir sind in den jeweiligen Assets zwar zum US-Opening kurzzeitig in den jeweiligen “Richtungen” gestartet, haben diese Bewegung aber sehr schnell wieder abgebaut.

Durch den “Cearsfire” (Waffenstillstand) zwischen dem Iran und Israel haben sich die Anleger weiter beruhigt wodurch zum einen Volatilität gesunken ist und dementsprechend die Indizes ihren lauf fortsetzen konnten.

Wochenperformance

Wie schon beschrieben haben die Indizes, am Montag direkt, das (in diesem Fall) Down-Gap wieder geschlossen um weiter anzusteigen. Da es im laufe der Woche auch nicht zu weiteren Turbulenzen gekommen ist, konnten sie recht nachhaltig weiterlaufen. Zudem haben 2 von 3 der großen US-Indizes neue ATH erreicht und stehen auf das Jahr gesehen dementsprechend im Positiven.

5-Tages-Performance US-Indizes

CME FED-WATCH

Am Freitag vergangener Handelswoche wurden die neusten PCE Daten veröffentlicht. Diese zeigen, dass die Kerninflation leicht abgeschwächt ist, wodurch die Hoffnungen/Erwartung auf weitere Zinssenkungen für dieses Jahr gestiegen sind. Auch die Entwicklung der Staatsanleihen deuten auf weitere Zinssenkungen hin. Die Renditen der 10-Jährigen US Staatsanleihen fielen von ca. 4,35% auf 4,28%. Auch die kurzfristigen Anleihen deuten auf eine wachsende Erwartung gegenüber fallenden Leitzinsen.

FedWatch-Tool

SAISONALITÄT

In der Grafik seht ihr wieder den durchschnittlichen Verlauf der letzten 25 Jahre (der rote Strich zeigt den aktuellen Zeitpunkt). Mit der vergangenen Seitwärtsphase könnte sich damit eine “Base” gebaut haben von welche wir jetzt weiter ansteigen können. Ob und wie wir dies umsetzen, kommunizieren wir natürlich wie immer in der Community. Hier noch ein Wort zu Saisonalitäten: Vor allem wenn es darum geht, anstehende (größere) Korrekturen einzuplanen, können diese sehr hilfreich sein. Ihr seht aber selber, wenn ihr diesen Chart mit dem Verlauf des S&P 500 vergleicht, dass es nicht wirklich zueinander passt.

Saisonalität wird von uns in der Regel nur als Bestätigung gesehen und nicht als Einstiegsfaktor. Wenn wir also ein Asset haben in welchem wir Long gehen möchten und die Saisonalität uns ebenfalls zeigt das wir weiter ansteigen könnten bestätigt dies unsere Idee. Anders herum ist es etwas schwieriger, sprich, nur weil die Saisonalität uns zeigt das wir steigen/fallen “müssten” suchen wir nicht zwanghaft nach dementsprechenden Einstiegen. Generell sollten die Trade-Ideen auf Fundamentalen-Daten, Chart-Analyse und Faktoren wie Saisonalität basieren.

COT-DATEN

Die Commercials haben ihre Absicherungen laut den zur Verfügung stehenden Daten weiter ausgebaut, während die Retailer und Large Speculators ihre Absicherungen etwas “gelockert” haben.
Ist das normal? Ja, wenn wir uns die Daten der vergangenen Wochen/Monaten in der Grafik anschauen, fällt folgendes auf. Während wir im totalen Bullenmarkt waren, haben sich die Commercials mit Shorts abgesichert. Dies ist eher ein “gesundes Verhalten” während wir in den Indizes weiter steigen.

Dennoch bedeutet das natürlich nicht “long only”, die Daten sind immer um ein paar Tage verzögert und wir können nie die “live” Positionierungen sehen.

COT-Daten S&P500 Net positions

MARTAUSBLICK

Näheres zu den COT Daten, FED-Watchtool, Indizes und vielem mehr gerne im mittlerweile 14. MARKTAUSBLICK auf unserem YOUTUBE-Channel entnehmen. Hier nochmal der Link.

VIX-VOLATILITÄT

Der VIX ist, wie bereits am Anfang angesprochen, in der Woche stark gefallen. Das liegt vor allem an dem sich beruhigendem Geopolitischen Umfeld. Besser gesagt an dem vereinbarten Waffenstillstand welcher durch den Amerikanischen Präsidenten begleitet worden ist.

Was sagt der VIX überhaupt aus?
Der VIX zeigt die zu erwartende Schwankungsbreite des S&P 500 auf das Jahr gesehen. Wenn der VIX also bei 25 steht, gehen Anleger davon aus, dass der S&P 500 in genau einem Jahr bei – oder + 25% steht. Dementsprechend ist es nur logisch, dass mit einem steigenden VIX die S&P Kurse “fallen”.
Natürlich könnten ein VIX von 25 auch bedeuten, dass der Index bei +25% in einem Jahr steht. Allerdings bringt dies zu viel Unsicherheit/Risiko mit sich, weshalb daraufhin Absicherungen gekauft werden oder die Positionsgröße angepasst wird.

Vix-Index

SKEW-Index

Da wir diesen Index in der Ausgabe zum ersten mal berücksichtigen, hier erstmal eine kleine Einleitung..
Der SKEW-Index berechnet und misst die Wahrscheinlichkeit für extreme Bewegungen im S&P 500. Die Berechnung basiert auf den Preisen von Out-of-the-Money (OTM) Put-Optionen.

Ein hoher SKEW-Wert bedeutet dementsprechend eine höhere Nachfrage nach Absicherungsmöglichkeiten (zum Beispiel OTM Puts). Ein niedriger SKEW-Wert bedeutet das es aktuell weniger Nachfrage nach Absicherungen gibt und die Marktteilnehmer weniger mit plötzlichen Ereignissen rechnen welche den Markt stark bewegen.

Was aktuell auffällt: Wir befinden uns im VIX auf einem relativ niedrigen Level während der SKEW-Index bei etwas über 140 steht. Historisch gesehen ist dies weiterhin ein überdurchschnittlicher Wert.

Was bedeutet es also, wenn der VIX auf eine ruhige Situation aber der SKEW-Index höher steht: Es könnte sein, dass die Marktteilnehmer sich “heimlich” absichern. Gemeint ist damit, dass sie eben die genannten OTM Puts kaufen und sich nicht über den bspw. VIX absichern. Das wird natürlich nicht im VIX-Index berücksichtigt wodurch sie sich “unter dem Radar” absichern. Dies ist natürlich nur ein mögliches Szenario und nicht das garantierte. Umso wichtiger ist es, die aktuelle Entwicklung genau im Auge zu behalten um sich der Situation anzupassen.

FEAR & GREED INDEX

Der Fear and Greed Index hat sich in der vergangenen Woche um einige Punkte ins positive bewegt. Auch hier wird deutlich: Die Anleger werden durch ihre positive Einschätzung auf die Märkte Risikofreudiger.

Sollte der Markt die kommenden Tage/Wochen weiter stark steigen, werden wir in diesem Index in die Richtung von “Extreme Greed” kommen. Dies kann dann auf eine etwas übereifrige Situation hindeuten, wobei Konsequenzen gezogen werden müssen bzw. es zu einer Überhitzung kommen könnte. Wenn es soweit ist, werden wir euch hier natürlich auf dem laufenden halten.

Fear & Greed Index

UBS Top-Picks

Die Grafik zeigt die Top-Picks der UBS für den US-Aktienmarkt. Die Quelle dieser Picks ist die “Equity Preferences List” (EPL), welches ein Research-Instrument ist welches regelmäßig aktualisiert wird.

Aus folgenden Titeln besteht die Top-Pick Liste der UBS:

  • Abbot Laboratories
  • Boeing Company
  • Micron Technology Inc.
  • Nvidia Corporation
  • NextEra Energy Inc.

Die UBS zeigt mit der Auswahl ein ausgewogenes Marktsentiment. Zum einen sind Wachstumswerte und Technologiebetreiber, andererseits aber auch Titel mit zyklischem potenzial.
Neben zwei Tech-Werten sind auch Healthcare-, ein Industrie- und ein Versorgerunternehmen vertreten. Dies ist eine recht diversifizierte Auswahl, was übergeordnet für eine zuversichtliche Aussicht der UBS spricht.

Aktuelle Insider

Die Liste zeigt wie immer die neusten Insider Aktivitäten in den jeweiligen Unternehmen.
Diese hier zeigt ein klares Bild: Die Käufe konzentrieren sich auf kleinere Biotech- und Nischenwerte wie Vera Therapeutics oder Rezolute – teils mit Millionenvolumen was oft als Vertrauenssignal zu werten ist.

Auf der anderen Seite stehen umfangreiche Verkäufe bei großen Tech- und KI-Unternehmen wie Nvidia, Jabil, Airbnb oder Reddit. Viele davon dürften Gewinnmitnahmen nach starken Kursanstiegen sein.

Insgesamt überwiegt das Verkaufsvolumen deutlich gegenüber dem Kaufs-Volumen, was auf Vorsicht bei hoch bewerteten Wachstumswerten hindeutet.

Übersicht aktueller Insider-Käufe und -Verkäufe; Quelle: @WallStJesus

MACRO-DATEN und EVENTS

Die wichtigsten US-Daten kommende Woche:
Montag, 30.06.

  • 🕝 08:00 Uhr – GDP (QoQ & YoY) (Großbritannien)
  • 🕝 14:00 Uhr – German CPI
  • 🕝 15:45 – Chicago PMI

Dienstag, 01.07

  • 🕝 11:00 Uhr – CPI (YoY) (EUR)
  • 🕝 15:30 Uhr – Fed Chair Powell Speaks
  • 🕝 15:45 Uhr – Manufactoring PMI
  • 🕝 16:00 Uhr – ISM Manufactoring PMI & Prices
  • 🕝16:00 Uhr – JOLTS – Job Openings (May)

Mittwoch, 02.07

  • 🕝 14:15 Uhr – ADP Nonfarm Employment Change
  • 🕝 16:30 Uhr – Crude Oil Inventories

Donnerstag, 03.07

  • 🕝 Gesamter Tag – Independence Day USA
  • 🕝 14:30 Uhr – Average Hourly Earnings
  • 🕝 14:30 Uhr – Initial Jobless Claims
  • 🕝 14:30 Uhr – Nonfarm Payrolls
  • 🕝14:30 Uhr – Unemployment Rate
  • 🕝15:45 Uhr – Services PMI
  • 🕝16:00 Uhr – ISM Non-Manufactoring PMI & Prices

Freitag, 04.07

  • 🕝 Gesamter Tag – Independence Day USA

Diese Woche steht sehr viel an und vor allem im Dollar kann es zu erhöhter Volatilität kommen. Grund dafür ist, dass viele Makrodaten veröffentlicht werden, welche direkten Einfluss auf die US-Amerikanische Geldpolitik haben kann.
An Tagen wie Donnerstag schadet es euch und eurem Portfolio nicht, sich den Tag frei zu nehmen da dort zum einen das Volumen fehlt und sehr viele Marktbewegende Daten veröffentlicht werden.

FED-SPEAKER

Hier habt ihr, wie gewohnt, die Übersicht der FED-Termine für die kommende Woche. Diese sind, im Gegensatz zu “MACRO-Daten und Events” nicht in der Deutschen Zeit angegeben sondern orientieren sich an der Zeitzone der FED (USA).

Einige “Termine” werden in der Übersicht oben nicht berücksichtigt, sondern hier separat aufgezeigt.

EARNING SEASON

Die Anzahl an Unternehmen welche jetzt noch ihre Earnings präsentieren sind überschaubar. Zudem ist keins dieser Unternehmen im S&P 500 vertreten wodurch es, zumindest durch die Earnings, nicht zu bemerkbaren Bewegungen kommen wird.

EPS Prognosen

Die UBS erwartet für 2025 ein moderates weltweites EPS-Wachstum von ca. 5% während für 2026 aber mit einer Erhöhung auf 6% gerechnet wird. Besonders stark bleibt dabei der US-Aktienmarkt mit prognostizierten 6% (2025) und 7,5% (2026) Wachstum, vor allem von Tech- und Konsumsektoren.

Europa hingegen liegt ein wenig weiter hinten und stagniert bei ca. 4,5% während das Vereinigte Königreich 2025 rückläufige Gewinne zeigt, aber 2026 wieder aufholt.
Anders herum ist es in Japan, wo 2026 im Vergleich zu 2025 stagnieren wird.

Als eher stabil zeigen sich die Schwellenländer, vor allem Asien, mit konstanten Zuwächsen um die 6%.

Damit sind wir für diese Woche auch bereits durch. Die Märkte bleiben angespannt, und gerade in geopolitisch heiklen Zeiten wie diesen ist Vorsicht gefragt. Hoffen wir, dass sich die Lage im Nahen Osten nicht weiter zuspitzt und diplomatische Kanäle hierfür genutzt werden.

Wir wünschen euch allen eine erfolgreiche Handelswoche, stabile Nerven und eine Prise Gelassenheit.


Wir sehen uns nächsten Sonntag wieder, vielen Dank fürs Lesen und dabeibleiben,

Eure GREY CAPITAL-Redaktion