Newsletter #24: Steigende geopolitische Risiken belasten die Märkte
Guten Morgen und sonnige Grüße aus dem Siegerland ☀️
Willkommen zur vierundzwanzigsten Ausgabe unseres Newsletters, liebe Leserinnen und Leser!
Die neue Handelswoche endete mit einem geopolitischen Knall: Israel hat mehrere atomnahe Einrichtungen im Iran angegriffen, darunter Urananreicherungsanlagen in Isfahan und Natanz. Ziel war laut Berichten die Schwächung des iranischen Atomprogramms. Der Iran reagierte umgehend mit Vergeltungsschlägen auf israelisches Gebiet – die Lage bleibt angespannt.
Diese Eskalation wirft einen Schatten auf die globalen Märkte: Anleger flüchten verstärkt in sichere Häfen wie Gold und Anleihen, während Risiko-Assets unter Druck geraten. In dieser Ausgabe schauen wir, wie sich das auf Volatilität, Marktbreite und Sentiment auswirkt.
Wochenperformance
Nach einer zunächst richtungslosen Woche in einer engen Handelsrange sorgte erst zum Ende hin die geopolitische Eskalation zwischen Israel und dem Iran für Druck auf den Märkten. Die Wochenperformance fiel dementsprechend schwach aus:

CME FED-WATCH
Die Erwartung ist klar: Am kommenden Mittwoch (18. Juni), also während der nächsten FOMC-Sitzung, gehen Marktteilnehmer laut CME FedWatch mit 99,6 % Wahrscheinlichkeit davon aus, dass die Zinsen unverändert bleiben wird. Deswegen stellt sich der Markt auch hier auf keine weitere Zinssenkung ein.

INFLATIONSERWARTUNGEN
Die neuesten Daten der NY Fed zeigen:
Die einjährige Inflationserwartung ist im Mai leicht gesunken und liegt nun bei 3,2 %. Damit bleibt der Trend nach unten intakt, nach dem Peak bei über 6 % in 2022 hat sich das Bild deutlich normalisiert. Für die Fed bedeutet das: Kein akuter Handlungsdruck – aber auch kein Spielraum für schnelle Zinssenkungen.

SAISONALITÄT
Auch die Saisonalität bestätigt den aktuellen Marktverlauf: Der S&P 500 bewegt sich im Juni traditionell in kleinen Korrekturen – genau das sehen wir auch dieses Jahr. Bemerkenswert ist jedoch die ungewöhnlich hohe Volatilität, die trotz eines überdurchschnittlichen Jahresstarts zu beobachten ist. Hier in der Grafik die Median der letzten 5-15 Jahre für den S&P500 Index.

COT-DATEN
Auf Seite der COT-Daten hat sich in dieser Woche erneut etwas getan: Die Commercials haben ihre LONG-Seite deutlich weiter aufgebaut. Das zeigt uns: Die großen Institutionellen weiten die Long-Seite erneut stärker aus – nicht durch Aktienkäufe, sondern über die Kontraktseite. Das erlaubt ihnen, schnell zu reagieren, sollte der Markt erneut erratisch abrutschen. Auf der anderen Seite sehen wir bei den Large Speculators einen klaren Rückschritt: Diese Gruppe fährt die Risiken zurück und zieht sich zunehmend aus dem Markt. Risk-Off-Modus. Die Small Traders bewegen sich dagegen kaum spürbar. Das Gesamtbild: verhalten optimistisch, aber ohne klare Überzeugung.
Unsere Datenlage reicht wie immer nur bis Dienstagabend (10. Juni) – das bedeutet, die letzten 3 Handelstage der Woche sind wie üblich noch nicht enthalten.

MARTAUSBLICK
Näheres zu den COT Daten, FED-Watchtool, Indizies und vielem mehr gerne im mittlerweile 14. MARKTAUSBLICK auf unserem YOUTUBE-Channel entnehmen. Hier nochmal der Link.
VIX-VOLATILITÄT
Der VIX-Index, das klassische Maß für Marktschwankungen, hat in dieser Woche deutlich angezogen. Auf Wochensicht ging es um +19,45 % nach oben. Der Index kletterte damit auf 20,82. Der Auslöser liegt auf der Hand: Die Luftangriffe Israels auf iranische Atomanlagen sorgten für einen deutlichen Risikoaufschlag in den Märkten. Anleger preisen geopolitische Unsicherheit ein und das in einem ohnehin fragilen Umfeld rund um Zinsen, Tech-Bewertungen und saisonale Schwächephasen.
Damit zeigt sich erneut: VIX LONG = INDIZES SHORT.

FEAR & GREED INDEX
Der Fear & Greed Index bleibt in dieser Woche nahezu unverändert. Mit einem aktuellen Wert von 60 Punkten verharrt der Markt weiterhin im Bereich „Gier“ – exakt auf dem Niveau der Vorwoche. Auch der Vergleich zum „Previous Close“ bei 61 zeigt: Es gab weder eine Zunahme der Angst noch eine Verstärkung der Euphorie.

INSIDER
Ein Blick auf die aktuellen Insider-Transaktionen zeigt ein auffälliges Bild – vor allem auf der Verkaufsseite:
Verkäufe aus dem Cybersecurity-Sektor
- Crowdstrike ($CRWD) – $27 Mio
- Palo Alto Networks ($PANW) – $23,5 Mio
- Cloudflare ($NET) – $13 Mio
Alle drei Unternehmen gehören zur Cybersecurity-Branche, die in den letzten Monaten stark gelaufen ist und durch den KI-Hype nochmals Rückenwind bekam. Solche Verkäufe bedeuten nicht automatisch Schwäche – häufig handelt es sich um geplante Verkäufe aus Vergütungsprogrammen. Dennoch: Wenn mehrere Führungskräfte desselben Sektors innerhalb weniger Tage verkaufen, ist das zumindest ein Signal zur Vorsicht.

MACRO-DATEN und EVENTS
Die wichtigsten US-Daten kommende Woche:
Montag, 16.06.
- 🕝 14:30 Uhr – NY Empire State Manufacturing Index
- 🕖 19:00 Uhr – 20-Year Bond Auction
Mittwoch, 18.06.
- 🕗 20:00 Uhr – Fed Interest Rate Decision
- 🕣 20:30 Uhr – Fed Press Conference
Donnerstag, 19.06.
- US-Börse geschlossen
FED-SPEAKER
Die kommende Woche steht ganz im Zeichen der FED:
Am Mittwoch, 18. Juni erwartet uns die FOMC-Entscheidung gefolgt von der Jerome Powell Pressekonferenz.
Kleiner Reminder: Der Donnerstag ist in den USA Feiertag (Juneteenth) – die Börsen bleiben geschlossen.

EARNING SEASON
In der kommenden Woche steht mit Accenture der einzige große Sektor-Report im Fokus:
Accenture gehört zu den weltweit größten Unternehmensberatungen mit starkem Fokus auf Technologie, Digitalisierung, Cloud-Implementierung und künstliche Intelligenz. Besonders interessant: Das Unternehmen gilt als Frühindikator für Investitionsbereitschaft im Tech-Sektor, da viele Großkonzerne ihre IT-Budgets über Accenture-Projekte ausrollen. Die zuletzt stark wachsenden KI-Aufträge stehen dabei besonders im Fokus. Ein starker Ausblick könnte positive Impulse für den Gesamtmarkt geben – vor allem in einem Umfeld, in dem Wachstumsstorys zunehmend verteidigt werden müssen.

Damit sind wir für diese Woche auch bereits durch. Die Märkte bleiben angespannt, und gerade in geopolitisch heiklen Zeiten wie diesen ist Vorsicht gefragt. Hoffen wir, dass sich die Lage im Nahen Osten nicht weiter zuspitzt und diplomatische Kanäle geöffnet bleiben.
Wir wünschen euch allen eine erfolgreiche Handelswoche, stabile Nerven und eine Prise Gelassenheit. Wir sehen uns nächsten Sonntag wieder,
Eure GREY CAPITAL-Redaktion
