Newsletter #20: Eine Rally auf dünnem Fundament, die Euphorie trifft auf Risiken

Willkommen zur zwanzigsten Ausgabe dieses Newsletters, liebe Leserinnen und Leser!

Die Amerikanischen Märkte sind im laufe der Woche weiter gestiegen und sind auf dem Weg zu den alten Allzeithochs. Auch der DAX konnte sich weiter über seinem alten ATH vom Anfang des Jahres halten. In dieser Ausgabe werden wir mögliche Faktoren besprechen, welche teilweise für aber auch gegen einen weiteren Anstieg sprechen. Viel Spaß beim Lesen!

Wochenperformance

Wie schon angedeutet sind die Indizes in der vergangenen Handelswoche weiter gestiegen. Vor allem der US 100 und US 500 sind stark ins Visier der Bullen gefallen. Fast alle der aufgelisteten Indizes sind auf gutem Weg zu neuen Historischen Hochs.

5-Tages-Performance US-Indizes

CME FED Watch

Eine Senkung des Leitzins wird weiterhin als sehr unwahrscheinlich angesehen. Ein Grund dafür ist, dass der Arbeitsmarkt weiterhin robust ist. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sind zuletzt zwar gestiegen, liegen im Historischen Vergleich aber weiterhin eher niedrig. Auch die Inflationsdaten geben gerade keinen Grund die Zinsen zu senken. Die Inflation (CPI) liegt aktuell bei 2,3 was der niedrigste Wert seit Februar 2021 ist, allerdings liegt die Kerninflation weiterhin bei 2,8% im Jahresvergleich.

FedWatch-Tool

Saisonalität

Wir kommen langsam in eine Zeitzone in der, zumindest in den vergangenen Jahren, die Hochs vor der Korrektur übertroffen worden sind. Aktuell sieht der Chart ebenfalls so aus, als könnten wir das ATH demnächst übertreffen. Ob dies Fundamental. auch gestützt werden kann, werden wir in den folgenden Themen besprechen..

S&P 500 Seasonality Chart

COT-Daten

Die aktuelle Datenlage deutet darauf hin, dass die Rallye der Indizes weniger auf Fundamentalen Käufen beruht, sondern stark durch Futures-Märkte getrieben wird. Besonders auffällig ist, dass Large Speculators seit Wochen netto Short sind während die Indizes weiter steigen. Das kann darauf hindeuten, dass die aktuelle Rallye stärker durch Liquidität und technische Faktoren angetrieben wird (Short-Coverings und algorythmisches Trading). Zudem sind die Commercials netto Long was für einen steigenden Markt eher ungewöhnlich ist, da sie sich in der Regel stärker absichern würden. Zudem sind die Small Trader ebenfalls netto Long. Das ist oft ein Zeichen dafür, dass wir kurz davor sind nochmal Luft rauszulassen, da diese oft erst gegen Ende des Trends aufspringen.

COT-Daten S&P500 Net positions

VIX-Index

Der VIX ist vergangene Woche unter 20 Punkte gefallen (Bullish für die Indizes). Damit nähern wir uns wieder einem “normalen” Wert welcher in einen Bullenmarkt durchaus okay ist. Was es mit dem VIX Index auf sich hat, haben wir in einer vorherigen Ausgabe erläutert. Lest es euch gerne durch!

Vix-Index

Fear and Greed Index

Wir stehen kurz vor “Extreme Greed” und sind demnach auch in der vergangenen Woche “optimistischer” geworden. Wir konnten, während die Indizes weiter gestiegen sind, von 62 Punkten auf 71 gestiegen. Wir haben nichtmal die ATH übertroffen und stehen schon so hoch. Wir sind gespannt wie sich dies im laufer der kommenden Wochen entwickelt.

Fear & Greed Index

Retail Order Flow

Die aktuelle Marktbewegung wird stark durch Retail-Investoren und massive Käufe im Bereich der Cash Equity sowie Optionen getrieben. Besonders auffällig ist der Einfluss der Option Delta-Käufe, die über Absicherungsgeschäfte des Broker einen künstlichen Kaufdruck erzeugen. Dieses “Phänomen”, bekannt als Gamma Squeeze, treibt die Kurse weiter nach oben, unabhängig von fundamentalen Daten.

Phasen negativer Flows (besonders im Dezember, Ende Januar und Mitte März) zeigen jedoch, dass auch Wetten auf fallende Kurse bestehen. Sollte sich da Momentum umkehren, beispielsweise durch schwache makroökonomische Daten ode rnegative FED-Entscheidungen, droht eine bedeutende/aggressive Korrektur. Die Absicherungspositionen der Broker müssten aufgelöst werden, was den Verkaufsdruck verstärken würde.

Insider

Die Übersicht zeigt deutliche Insider Käufe im Biotech- und Technologiesektor, insbesondere bei Jazz Pharmaceuticals, Vestis und Nkgen Biotech. Die hohen Investitionen deuten auf Vertrauen in zukünftiges Wachstum hin. Auch Palantir verzeichnet auffällige Käufe. Auf der anderen Seite haben wir Eaton, welches mit einem Abverkauf im Wert von 54 Mio. USD hervorsticht. Ebenso Paycom Software und Datadog. Die Verkäufe könnten auf Gewinnmitnahmen oder eine zurückhaltende Einschätzung hindeuten.

Insgesamt zeigen die Käufe Zuversicht in Wachstumssektoren, während die Verkäufe eher etablierte Industrien betreffen.

Übersicht aktueller Insider-Käufe und -Verkäufe; Quelle: @WallStJesus

FED Speaker

Hier findet ihr wieder eine Übersicht für kommende Woche. Bedenkt, dass diese oft nicht in den üblichen Kalendern einbegriffen werden, obwohl diese Events für zusätzliche Volatilität sorgen können!

FED-Events

Macro-Daten und Events (Deutsche Zeit)

Die wichtigsten US-Daten kommende Woche:

  • Montag
    • 11:00 – CPI (YoY) (Apr) (Euro)
  • Mittwoch
    • 08:00 – CPI (YoY) (Apr) (GBP)
    • 16:30 – Crude Oil Inventories
  • Donnerstag
    • 14:30 – Initial Jobless Claims (USD)
    • 15:45 – Manufacturing PMI (May)
    • 15:45 – Services PMI (May)
    • 16:00 – Existing Home Sales (May)
  • Freitag
    • 08:00 – German GDP (QoQ) (May)
    • 16:00 – New Home Sales (Apr)

Earnings

Wir neigen uns dem Ende der Earnings-Season zu. Vergangene Woche haben fast schon die letzten relevanten Unternehmen berichtet. Dennoch bleibt vor allem ein Unternehmen übrig, welches für besonders viel Aufmerksamkeit sorgen wird: Nvidia. Genauer werden wir allerdings erst nächste Woche darauf eingehen. Für kommende sind folgende Unternehmen noch erwähnenswert:

  • Palo Alto (Dienstag)
  • Home Depot (Dienstag)
  • Snowflake (Mittwoch)
  • BAIDU (Mittwoch)
  • Zoom (Mittwoch)

Kreditwürdigkeit der USA in Gefahr?

Ein letztes Thema zum Schluss:

Moody´s (Ratingagentur) hat die Kreditwürdigkeit der USA aufgrund der steigenden Staatsverschuldung herabgestuft. Durch dieses Rating könnten höhere Kreditkosten auf die US-Regierung zukommen sowie zu steigenden Renditen für Staatsanleihen und erhöhter Volatilität an den Finanzmärkten führen. Dieses Rating könnte auch noch weitere Auswirkungen auf den US-Dollar, Unternehmen mit starker US-Exponierung und Finanzinstitute haben. Diese Herabstufung signalisiert ein sinkendes Vertrauen in die langfristige Zahlungsfähigkeit der USA und erhöht das Risiko an den Kapitalmärkten.

Wie immer vielen Dank fürs Lesen und eine erfolgreiche Handelswoche wünscht euch,

Eure Grey Capital Redaktion